Stadt, Land, Fluss.

Von der Großstadt im Osten aufs Dorf in Mitteldeutschland in die Kleinstadt im Norden.


So oder so ähnlich könnte man den Werdegang von mir und meinem Mann beschreiben. Dies war der 12. Umzug, den ich in meinem Leben mitgemacht habe, und hoffentlich einer der letzten. Aber somit kann ich nun wirklich sagen alles an Wohngegebenheiten mitgemacht zu haben. Wohnungen, Elternhaus, wieder Wohnungen, eigenes Haus, Stadt, Großstadt, Kleinstadt, Dorf. Es war alles mit dabei. Doch was sind die Vor- und Nachteile? Was bringt das jeweilige Leben mit sich? Und wo sehe ich mich vom jetzigen Standpunkt aus?





Das Leben in der Großstadt


Ob nun Frankfurt, Potsdam oder Berlin: Großstädte sprühen vor Leben und sind das genaue Gegenteil von Langeweile. Ständig ist irgendwo etwas los, ein Programm jagt das nächste und an kulinarischen Spezialitäten hat man alles was das Herz begehrt. Alles ist zu Fuß, mit dem Fahrrad oder den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Ein Auto benötigt man vielleicht nur für den richtig großen Wocheneinkauf oder einen Urlaub.

Und ich habe es geliebt - als Studentin, als Single und als Paar ohne Kinder. Beim besten Willen, könnte ich es mir persönlich jedoch nie mit Kindern vorstellen. Es wäre mir zu voll, zu hektisch, zu laut, zu anonym und einfach zu schnell.




Das Leben auf dem Land


Hier muss man dazu sagen, dass es wirklich das komplette Landleben war. Unser Dorf hatte 400 Einwohner, keinen Supermarkt, keinen Bäcker und einen Bus, der nur zur Schulzeit fuhr und sonst vielleicht noch 4 Mal am Tag. Es gab keinen Bürgersteig runter in den Ort, nur eine "Hauptstraße" ohne Markierung und Fußweg. Ein einziger Feldweg, den man mit Buggy befahren konnte, existierte. Und da es auf einem Berg lag, war Fahrradfahren auch keine wirkliche Option (nein ich habe kein E-Bike und weigere mich auch strikt :D).


Aber erst einmal vorweg: Ich liebe das Leben auf dem Land. Ich liebe die frische Luft, den Nebel, der an Herbsttagen morgens über den Feldern hängt, die Vielfalt der Tiere, die einem bei einem einfachen Spaziergang begegnen, das Gemeinschafts- und Zusammengehörigkeitsgefühl der Dorfbewohner, die Freiheit für die Kinder einfach aus der Haustür rausrennen zu können, aber vor allem das Langsame, das Entschleunigte liebe ich daran.


Allerdings gibt es auch Kehrseiten. Allen voran ist es zwar nicht anonym, aber kann sehr einsam sein. Gerade wenn man morgens die einzige Mama im Dorf ist, die mit den Kindern zu Hause ist, weil alle anderen arbeiten und im Kindergarten sind. Es ist niemand auf dem Spielplatz anzutreffen, keine Menschenseele mit der eine Unterhaltung beim Einkauf oder Bäckerbesuch zu führen wäre. Wenn man Glück hat, sind die älteren Nachbarn für einen kurzen Plausch anzutreffen. Aber eben nur wenn man Glück hat. Und ein weiterer Punkt, der uns unfassbar zu schaffen gemacht hat, war die pure Abhängigkeit vom Auto. Ja, es war uns vorher bewusst. Aber wenn man es dann lebt, ist es einfach ein Unterschied bzw. merkt man dann wie sehr es gegen die eigenen Werte und Vorstellungen stößt.


Das sieht natürlich in einem größeren Dorf ganz anders aus. Ebenso anders würde es aussehen auf einem Dorf, welches nicht auf einem Berg liegt und wo es ein reiner Schweißakt wäre mit Einkäufen und Kindern im Anhänger eben diesen Berg wieder heraufzukommen.


Landleben ja, aber definitiv mehr Infrastruktur als wir es gelebt haben.





Und das Leben in der Kleinstadt?


Nun sind wir in einer wunderschönen, kleinen Stadt angekommen. Und ich muss sagen, ich bin verliebt. Für jetzt ist es einfach perfekt für uns. Es vereint alles, was wir aus der Großstadt zu schätzen wissen, mit dem ländlichen Leben. Keine 5 Minuten mit dem Fahrrad und ein Bauernhof reiht sich an den nächsten, auf dem Wochenmarkt gibt es die besten, regionalen und saisonalen Sachen von den Höfen der Umgebung, es duftet nach Kräutern, Blumen und frischem Gebäck. Natürlich ist Niedersachsen bekannt für die hiesige Landwirtschaft und genau das spüren wir auch. Dennoch können wir alles zu Fuß und mit Rad erledigen, die Kids lieben ihren Fahrradanhänger, der Kindergarten der Großen wird 8 Minuten Fußweg entfernt sein und ebenso der Arbeitsweg meines Mannes. Unser Auto wurde seitdem wir es haben, nicht mehr so wenig bewegt wie hier. Es gibt leckere Italiener und eine Sushibar, die sich sehen lassen kann. Der Supermarkt strotzt nur so vor veganem Angebot und die Bäcker hier übertrumpfen sich gegenseitig, was den Geschmack ihres Gebäcks angeht. Ich kann seit drei Jahren wieder abends alleine zum Yoga gehen, da ich nur 6 Minuten zu Fuß bis zum Kurs brauche und die Kinder in der Zeit seelenruhig schlafen. Und das tut gut, sehr gut.


Nicht zu vergessen, ist die wunderschöne Natur, die sich uns offenbart, sobald wir die Straße überqueren. Kilometerlange Waldwege, die in Felder übergehen um dann wieder einen neuen Waldabschnitt einzutauchen und ganz nebenher plätschert der Fluss (Hinweis: ich meinte das wortwörtlich mit Stadt, Land, Fluss in der Überschrift.)


Ja, es fühlt sich an, als hätten wir immer schon hierher gehört.



Mein Fazit?


Das Leben in der ländlichen Kleinstadt bietet uns die Möglichkeit vom langsamen Leben, aber mit Infrastruktur. Wir sind angekommen. Und für jetzt ist das Leben in der Wohnung genau das, was wir brauchen. Wir verbringen so viel Zeit als Familie draußen in der Natur oder auf einem der zahlreichen Spielplätze wie lange nicht. Die Wohnung ist in Windeseile geputzt und abends genießen wir den Sonnenuntergang auf dem Balkon zwischen Bambus, einem Olivenbäumchen und Lavendel (meine Hochbeete dürfen hier auch noch einziehen.)


Und wenn die Zeit gekommen ist und es uns wieder in ein eigenes Heim zieht, dann wissen wir ganz genau was wir brauchen. Vielleicht wird es wieder etwas ländlicher sein, aber immer noch so gelegen, dass alles mit dem Rad zu erreichen ist. Und wer weiß, was hier noch alles auf uns wartet. Vom jetzigen Standpunkt aus können wir jedoch sagen, dass wir uns immer wieder so entscheiden würden und wir am Fluss am besten aufgehoben sind :)


Was seid ihr? Stadt, Land oder Fluss?


Ich freu' mich auf eure Kommentare, eure Tatjana.

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