Book Club #3 - April Edition

Schnapp' dir deinen Kaffee (oder Tee), mach es dir gemütlich und starte mit mir in den Bokk Club für diesen Monat. Im April möchte ich dir ein ganz besonderes Buch im Detail vorstellen. Es ist zwar ein Buch primär für Eltern geschrieben, allerdings finde ich, dass darin so viel auf mein "großes" Leben übertragbar ist, dass es meiner Meinung nach einen Mehrwert für jeden bietet. Egal ob fünffach Mama, Single oder in der Kinderplanung.


Wenn du die Möglichkeit hast, lies das Buch bevor dein Kind auf die Welt kommt und bevor du Dinge kaufst und schenken lässt, von denen dir weis gemacht wird du würdest sie brauchen.


Simplicity Parenting - Weniger ist mehr.

Was Kinder wirklich brauchen, um ausgeglichen, glücklich und rundum geborgen aufzuwachsen. Von Kim John Payne



Das Wort 'Kinder' könnte man sehr einfach durch das Wort 'wir' ersetzen. Denn die Erfahrungen die Payne in seinem Buch teilt, haben immer auch sehr positive Auswirkungen auf die betroffenen Eltern gehabt und nicht nur auf die Kinder.


Payne greift sehr schön an vielen Beispielen die Problematik der heutigen (Kinder)Welt auf. Zu viel Zeug, zu viel Termine - zu viel von allem. In seiner pädagogischen Arbeit hat er über die Jahre erlebt, zu welchen, teils dramatischen, psychologischen und physiologischen Schwierigkeiten dies führen kann und teilt diese schön geschrieben in seinem Buch. Er gibt Tipps, wie man das Leben der Kinder und sein eigenes vereinfachen kann und was auch das mit den Kindern macht. Und wie einfach Vereinfachen tatsächlich ist.


Zitate aus dem Buch mit Kommentar


Ein paar meiner Lieblingsstellen aus dem Buch habe ich dir hier zusammengefasst. Sie geben dir vielleicht einen ersten Eindruck vom Buch und wecken das Interesse. Vielleicht triggern sie auch etwas in dir und geben dir zu denken. Egal, was es ist, lass diese Gedanken und Worte von Payne auf dich wirken.


"Vereinfachung verschafft Kindern die innere Ruhe, die sie benötigen, um sich wieder zu finden, sich altersgemäß zu verhalten und ihre eigene Welt statt den Stress und den Druck der Erwachsenenwelt zu durchleben."


Damit meint Payne nicht, dass Kinder keinerlei Stress ausgesetzt werden dürften, oder man sie in Watte packen sollte. Sondern, dass ihnen nicht zusätzlicher, vermeidbarer Druck auferlegt wird oder sie zu sehr mit der Erwachsenenwelt und deren Gesprächen konfrontiert werden. Kinder saugen alles auf - auch die Nachrichten, die so nebenbei laufen oder die ernsten Gespräche beim Abendessen. Und es gibt einfach Dinge, die nicht in die Kindheit gehören, auch wenn die Gesellschaft manchmal meint, Kinder müssten immer früher erwachsen werden. Auf welche Kosten?

Ich bin noch ohne Handys und Internet Kind gewesen - erwachsen bin ich dennoch geworden und habe nicht das Gefühl in meiner Entwicklung zurückzustehen.





"Beim Spiel werden jene Spielsachen, die nichts können, zu allem, was die Fantasie hervorbringt."


Mein Motto, nach dem ich Spielsachen für meine Kinder ausgesucht habe und immer noch aussuche (wobei wir sehr selten Spielsachen neu kaufen, sondern die rotieren, die wir haben), lautet: Passive Spielsachen machen aktive Kinder, aktive Spielsachen machen passive Kinder.


"Die frühe Kindheit ist eine Zeit des Erforschens und der sensorischen Entwicklung. Spielsachen, die sich gut anfühlen und aus natürlichen Materialien bestehen, laden zum Erforschen ein."


Plastik fühlt sich nicht gut an. Weder in der Kleidung noch in der Hand. Holz hingegen oder verschiedene Stoffe und Oberflächen, bieten unserem taktilen Sinn ein ganz anderes Spektrum. Und sie lassen den Kinder mehr Freiraum zum offenen und kreativen Spiel.


"Kinder brauchen zum Spielen weder viele noch ganz bestimmte Sachen. Was sie vor allem brauchen ist uneingeschränkte Zeit."


Nicht nur uneingeschränkte Zeit, sondern auch Zeit unabhängig von der Führung eines Erwachsenen. Sie müssen frei sein für ihr eigenes Spiel in ihrer eigenen Welt ohne dass wir eingreifen, das Spiel lenken oder vorgeben wie mit was zu spielen ist. Ist nur der Schläger vom Xylophon zum Spielen und Töne erzeugen gedacht oder macht das gleiche nicht auch ein Löffel? Es gibt kein richtig oder falsch im freien Spiel der Kinder.





"Denn durch unseren Wunsch, dass die Kinder möglichst schnell laufen lernen, bringen wir sie möglicherweise dazu, frühere Entwicklungsstufen zu verkürzen, die jedoch für die neuronale Entwicklung wichtig sind."


Ein Punkt, den mittlerweile auch die Wissenschaft immer mehr aufgreift. Die (gewollte) Frühreife der Babies und Kinder. Wir wundern uns, weshalb Jugendliche immer früher in die Pubertät kommen, und auf der anderen Seite kann das Baby nicht früh genug sitzen, krabbeln und laufen. "Wie dein Kind läuft mit 12 Monaten noch nicht?!" Was früher ganz normal war und einfach der Entwicklung des Kindes überlassen wurde, ist heutzutage eine Pathologie.

Wir müssen den Kindern, den Raum und die Zeit geben, die sie brauchen. Wir müssen aufhören schon die kleinsten zu vergleichen. Wenn ein Kind wirklich, diagnostiziert zu langsam entwickelt ist, wird das der Kinderarzt schon feststellen. Ein Kind, was erst mit 18 Monaten läuft, dafür direkt total sicher, gehört definitiv nicht dazu. Ebenso, wie ein Kind nicht mit 2,5 perfekt sprechen muss. Oder mit 4 komplett trocken sein muss. Wurdest du schon einmal bei einem Bewerbungsgespräch danach gefragt, wann du trocken warst oder laufen konntest?


Und ich finde einfach, das nimmt uns Eltern einen großen Druck, wenn wir beginnen in uns und unsere Kinder (und deren Entwicklung) zu vertrauen. Ohne von Angst gesteuert zu sein, dass sie womöglich etwas später entwickelt sind. Sie entwickeln sich einfach individuell und anders. Jedes für sich. Ebenso wie jeder Erwachsene. Und was ist der Punkt, wenn das Kind zu den Besten und Schnellsten gehört? Sollte es nicht einfach zu den Glücklichsten gehören?


"Es gibt keinen Ersatz, keine virtuelle Alternative für lebendige, identitätsbildende Kraft von Beziehungen."


Und auch wenn uns die digitale Welt gerne den Eindruck vermittelt, als könne sie tatsächliche, leibhafte Beziehungen ersetzen und wir würden darüber in "Verbindung" treten, so ist dem nicht so. Das menschliche Gehirn hängt noch ziemlich weit hinten in der Evolution und was es und somit wir zum Überleben und vor allem zum glücklichen und erfüllten Überleben braucht, sind echte Beziehungen mit Augenkontakt, Stimme, Geruch, Körperkontakt. Alles eben was ein persönliches Gespräch mit einer Person in einem Raum mit sich bringt.


Diese letzte hier zitierte Stelle aus dem Buch, macht sehr gut deutlich, wie viel nicht nur auf die Welt der Kinder zutrifft, sondern auch auf unsere eigene.


Weg vom höher, weiter, schneller. Weg vom Mehr. Hin zu langsamer und weniger und echter.


Kennst du das Buch oder bist du nun neugierig geworden es zu lesen? Wie vereinfacht ist euer Leben mit den Kindern?

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