Vom Shopaholic zur Minimalistin - mein Weg

Du glaubst, du schaffst es nicht minimalistischer zu leben? Du liebst es neue Dinge zu kaufen? Jap, ich war genau da. Und es ist nicht einmal allzu lange her. Doch wie kam es zu dieser Veränderung?


Was ist Minimalismus?


Minimalismus muss nicht heißen, deine gesamten Habseligkeiten in eine Tasche packen zu können. Das zählt schon eher zu den Extremminimalisten - von denen es natürlich immer welche gibt. Doch Minimalismus kann auch komplett alltagstauglich aussehen ohne auf dein liebstes Dekostück verzichten zu müssen oder all deine Bücher zu verkaufen.

Minimalismus hilft uns, uns wieder auf die wesentlichen Dinge zu konzentrieren. Die Dinge, die wir wirklich brauchen und die uns wirklich Freude bereiten. Weniger vom Unnötigen, Mehr vom Nötigen. Und dies einfach ganz bewusst für sich selbst herauszufinden. Durch Minimalismus schaffen wir nicht nur mehr Raum in der Wohnung, in Schränken und Taschen, sondern auch, und vor allem, Raum für Zeit und ein stressfreieres Leben. Und meist spart man ganz nebenbei auch eine Menge Geld.



Ein Blick zurück


Ich war ein typisches Teenie-Mädchen. Eigentlich fing es schon an, soweit ich mich zurückerinnern kann: Ich hatte eine Schwäche für Kleidung. Nicht unbedingt Schuhe und Taschen, aber eben für alles andere. Eine Zeit lang kamen noch Unmengen an Schmuck und andere Accessoires hinzu. Ich hatte eine gute Note geschrieben oder besonders hart gearbeitet? Dann durfte eine Belohnung ja nicht fehlen, oder? Also ging es shoppen - online oder im Geschäft. Ich habe nie über meinem Budget gekauft, denn eine Kreditkarte habe ich noch nie besessen, aber ich habe sehr oft mein komplettes Limit ausgeschöpft. Und irgendwie hatte ich trotzdem immer das Gefühl vor meinem Schrank zu stehen und nichts zum Anziehen zu haben.


Mode war eine Art mich auszudrücken. Dabei wusste ich damals überhaupt nicht, wer ich eigentlich war. Und so kam es, dass ich mich immer wieder von anderen inspirieren ließ - ob es nun wirklich zu mir passte oder nicht war dabei nebensächlich. Was mir an anderen gefiel, musste in meinen Schrank.


Der Wendepunkt


Es war kein direkter Punkt, kein prägendes Ereignis oder ähnliches. Es war eher ein Prozess. Ich spürte lediglich, dass mich das alles mehr und mehr stresste. Zum "Abschalten" scrollte ich durch verschiedene Shoppingapps und packte die Warenkörbe voll. Nicht immer bestellte ich, aber oft genug. Nach dem Bestellvorgang meldete sich direkt das schlechte Gewissen, was mich wiederum stresste. Aber ich hatte immerhin die Möglichkeit einfach alles wieder zurück zu schicken, also war es doch nicht so schlimm, oder?


Das bedrückende Gefühl blieb. Dennoch freute ich mich auf die nächste Lieferung. Bis ich vor meinem Schrank stand und realisierte: So viel Sachen. Und doch trage ich fast immer das Gleiche. Und wenn nicht, dann nur, weil ich mich gezwungen habe, auch mal die andere Strickjacke anzuziehen, sie war schließlich auch schön.


Mir wurde alles zu viel. Also fing ich an auszumisten. Nach und nach, Kleidungsstück für Kleidungsstück. Und trotzdem war der Schrank noch voll. Die aussortieren Dinge packte ich in eine Kiste, die ich für 3-6 Monate wegstellte. Nachdem ich sie nach dieser Zeit wieder rausholte, wusste ich absolut nicht mehr, was darin enthalten war. Ich überlegte sie zu öffnen. Entschied mich aber dagegen. Wenn ich schon nicht mehr wusste, was darin war, war es dann überhaupt von Bedeutung? Wohl eher nicht.



Ein Teil kommt, ein Teil geht.


So entwickelte ich die Methode, dass ich für jedes Teil, welches ich mir neu kaufte, eines aussortieren musste. Und tatsächlich klappte dies sehr gut. Meistens spendete ich die Dinge, in seltenen Fällen verkaufte ich sie weiter.


Doch so richtig gut, fühlte ich mich immer noch nicht. Und die Bestellungen wurden nicht weniger. Ich bestellte nie aus einer emotionalen Lage heraus, sondern eher recht konstant, mehr als Beschäftigung. Und bis zu einem gewissen Grad, war es eine Art kreatives Outlet für mich. Im Kopf stellte ich immer wieder neue Outfits zusammen, überlegte, welches Teil meinen Schrank gut ergänzen würde. Das war dahingehend hilfreich, dass sich mit der Zeit ein Stil herauskristallisierte, der sich nun verfestigt hat. Ein, zwei Shoppingaussetzer waren dennoch dabei aus der Laune heraus, doch mal etwas Neues auszuprobieren, mehr zu wagen.

Lasst euch gesagt sein: hat nicht funktioniert, die Teile sind alle wieder aus dem Schrank geflogen.


Stil gefunden, nichts mehr kaufen.


Auf einmal war es dann jedoch da. Das Gefühl genug zu haben. Genug von den ständigen Bestellungen, genug Kleidung im Schrank, genug Auswahl. Ich hatte wirklich die Nase voll andauernd auszumisten, ständig Rechnungen zu bezahlen, neu zu bestellen mit einem schlechten Gewissen, nicht zu sparen, zu wissen, dass genug Schönes im Schrank hängt und trotzdem ständig mehr zu wollen.


Also zog ich den Schlussstrich. Ich mistete noch einmal bewusst aus, machte eine letzte Liste an Dingen, die mir wirklich wichtig waren bzw. tatsächlich noch fehlten. Nach und nach arbeitete ich diese Liste ab und mistete weiter aus.


Das Ergebnis und bisher auch status quo: Nur noch Dinge im Schrank, die ich liebe und trage, die bequem sind und gut sitzen. Und kein Bedürfnis daran etwas ändern zu müssen.



Das Ziel?


Ich liebe das Gefühl, wenig zu besitzen. Diese Klarheit und Übersicht, wenn der Schrank geöffnet wird, auf einen Blick alles zu sehen, was man so besitzt. Das erfüllt mich. Und ich möchte noch weiter gehen, denn ich weiß, dass ich immer noch zu viel besitze. An zu vielen Tagen stehe ich noch vorm Schrank und weiß nicht was ich anziehen soll. Bzw. ich weiß es, aber die Wahl würde wieder auf das Teil fallen, welches ich sowieso nur trage. Und dann kommt das Gewissen und ruft: "Das andere Teil da ist auch ganz schön. Du solltest es mal tragen." Und dann trage ich es, aber nur um seine Existenz im Schrank vor mir selbst zu rechtfertigen.


Dieses Gefühl möchte ich ablegen, aber dafür gebe ich mir Zeit und schaue bewusst nach jeder Saison, was ich wirklich getragen habe und was nicht. Letzteres kommt weg.


Wo auf dieser Reise bist du gerade? Oder besitzt du schon die berühmte Capsule Wardrobe oder lebst vielleicht nur aus einer Tasche?

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