Neustart.

Einen Monat lang habe ich mir hier eine kleine Pause gegönnt - denn offline ging es ganz schön heiß her. Unser großer Umzug stand an und somit war der Monat Mai geprägt von Ausmisten, Umzugskisten packen, Verabschieden und allem was eben so mit einem Umzug von einem Haus in eine Wohnung, vom 400 Einwohner Dorf in eine 22.000 Einwohner Stadt und von Mitteldeutschland in den Norden, einhergeht.


"Der Schlüssel zum Wandel liegt darin all seine Energie zu fokussieren, nicht darauf das Alte zu bekämpfen, sondern Neues zu erschaffen." - Sokrates


Wie alles lief?


Im Großen und Ganzen ziemlich problemlos und so stressfrei wie es eben mit einem Baby und einem Kleinkind geht. Wir waren gut vorbereitet, haben diesen Umzug mit einer Firma innerhalb eines Tages bewältigen können und fühlen uns nach nun 1 1/2 Wochen schon pudelwohl in unserem neuen Zuhause. Natürlich sind hier und da noch ein paar Kleinigkeiten zu erledigen und auszupacken. Wir hatten viel verkauft, da nur wenig vom Haus in die Dachgeschosswohnung passt in Bezug auf Höhe etc. und somit mussten wir hier schauen, was wir noch brauchen - erstaunlicherweise wesentlich weniger als wir dachten.


Die ersten Erfahrungen


Kennt ihr das, wenn ihr das Gefühl bei einer Sache, Person, Stadt etc. habt, dass es einfach passt? Dass es einfach genauso sein soll? So geht es uns.


Der Alltag wird natürlich mit all seinen Höhen und Tiefen nach und nach kommen, wie das eben so mit dem Leben ist. Allerdings kann man diesen Höhen und Tiefen mit einer gewissen Grundstimmung sehr unterschiedlich begegnen. Und unsere Grundstimmung hat sich in den letzten 1 1/2 Wochen immens geändert - ins positive. Wir wissen nicht, was morgen kommt, aber das weiß niemand und so kann ich nur aus dem Jetzt berichten. Und dieses Jetzt fühlt sich ziemlich grandios an.


Die Große hat seit dem Umzug keinerlei Allergiebeschwerden mehr und das will was heißen, denn sie waren noch vor drei Wochen so schlimm, dass wir ins Krankenhaus sind. Landleben ist wundervoll, aber eben nicht wenn man gefühlt allergisch auf alles reagiert, was Pollen besitzt. Sie schläft somit auch ruhiger, ihre Haut ist besser und sie wirkt gelöster.


Der Kleine bekommt es natürlich alles nicht so mit, macht fleißig seine ersten Laufversuche und freut sich des Lebens.


Und ich war das erste Mal seit 2,5 Jahren wieder 5km laufen und das gleich zweimal diese Woche. Diese Schönheit der Natur, die wunderbar ebenen Laufstrecken und einfach das flexiblere Leben hier erfüllen mich mit einer Leichtigkeit, die mich im Sport so beflügelt, wie ich es schon sehr lange nicht mehr empfunden habe. Und ohne Instagram und Co. ist es auch wirklich einfach nur noch zu 100% für mich - nichts muss geteilt oder dokumentiert werden. Es ist eine reine intrinsische Motivation, die ich sehr genieße.





Wenn alles auf einmal Sinn ergibt


Im Rückblick ergibt auch einfach alles auf einmal so viel Sinn. Wir sind unglaublich dankbar für die Zeit im Haus und auf dem Land - vor allem als die Pandemie einschlug. Dort in unserem kleinen Dorf haben wir von all dem nicht so viel mitbekommen, konnten den Garten und die Freiheit die damit einherging in vollen Zügen genießen. Doch als nach und nach die Normalität wieder einkehrte, blieb dennoch etwas: die Einsamkeit. Denn ein Leben in einem 400 Einwohnerdorf ohne jegliche Infrastruktur mit zwei Kleinkindern alleine zu Hause ohne die (Schwieger-)Eltern in unmittelbarer Nähe und die Freundinnen, die mind. 30 Minuten Fahrtzeit wegwohnten, war wahrlich kein Zuckerschlecken.


Auch wenn der Hauptgrund für den Umzug und Neustart die (berufliche) Situation meines Mannes war, so merke ich nun, wie sehr diese Veränderung auch für mich positiv wirkt und was mir eigentlich wirklich gefehlt hat bzw. wie viel leichter das Leben als "Hausfrau" mit beiden Kindern in eigener Betreuung in einer kleinen Stadt doch ist.


Wir sind durch einen kompletten Zufall in dieser Stadt hier in Niedersachsen gelandet und doch ist irgendwie nichts Zufall daran. Auch wenn wir sie nicht auf dem Schirm hatten, als mein Mann sich anfänglich beworben hat, kenne ich die Stadt seit ich Kind bin. Alles ist neu und irgendwie fühlt es sich an, als wäre es nie anders gewesen. Es ergibt einfach so viel Sinn.



Was die Zukunft so bringt?


Das weiß wohl niemand. Und darin liegt das Schöne. Beruflich möchte ich zwar auch wieder ein paar offline Kurse unterrichten, sobald die Große im Kindergarten ist, aber den Fokus auf etwas anderes legen. Was das sein wird, wird sich noch zeigen.


Im Hier und Jetzt sind wir dankbar für alles was war, was wir lernen durften, Menschen, die wir kennen gelernt haben, Freundschaften, die sich verstärken werden durch die Entfernung und Freundschaften, die wir gehen lassen dürfen. Dankbar für die Erfahrung ein Haus gebaut zu haben, ein Haus, welches wir im Rückblick für jemand anderen gebaut haben. Dankbar für ein wunderschönes, neues Dach über dem Kopf. Dankbar für neue Menschen, die wir kennen lernen und für eine Stadt, die wir bisher jeden Tag mehr in unser Herz schließen.


Wir sind dankbar viel über uns gelernt zu haben und dies auch weiterhin tun zu dürfen. Denn man verliert nie, aber man lernt immer.



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