• Tatjana

Wochenbett Rückblick Teil 1: Baby Blues? Tipps?

6-8 Wochen. Das ist die Zeit, die eine Frau nach der Geburt im sogenannten Wochenbett ist. In einigen anderen Ländern gibt es diesen Zeitraum nicht bzw. ist dieser wesentlich kürzer.

Es ist eine besondere, intensive und vor allem wichtige Zeit für Mutter, Kind und auch den Vater. Die Mutter kann sich von der Geburt und evtl. Verletzungen erholen, sich Zeit für's Stillen zu nehmen, falls sie sich dafür entschieden hat, und die Bindung zum Kind stärken. Der Vater ist im besten Fall die ersten Tage zu Hause bei seiner kleinen Familie und kann die Mutter unterstützen und sein Kind besser kennen lernen.


Im ersten Teil möchte ich mit euch den für mich anstrengendsten Teil des Wochenbetts teilen: Woche 1 bis 3.



Foto: Anna Immel


Bonding, Schlaf-Entzug & Baby Blues?

Die ersten Tage vergingen wie im Flug. Wir kuschelten mit der Kleinen im Bett, versuchten so viel Haut an Haut Kontakt wie möglich mit ihr zu haben. Ansonsten war ich mit Stillen und Schlafen beschäftigt. Um's Windeln wechseln konnte sich Timo die ersten Tage mit kümmern, da er noch Ferien hatte. Nach ca. 5 Tagen wurde unsere Maus unruhiger. Sie schlief weniger und war nur durch Tragen in den Schlaf zu bekommen. Wenn sie wach war, weinte sie und war nur schwer zu beruhigen - das machte uns Sorgen. Der Arzt kam zu dem Schluss, dass sie mit Blähungen und Bauchweh zu kämpfen hatte. Es blieb uns also nur für sie da zu sein.


Auf Empfehlung meiner Hebamme sind wir mit unserer Maus dann zur Osteopathin gegangen, denn ihr war aufgefallen, dass sie sich sehr überstreckt und starke Spannungen im Rücken hat. Die Osteopathin bestätigte dies und erklärte uns, dass die Kleine durch die falsche Lage im Mutterleib (s. Geburtsbericht) einige Verspannungen im Becken, der Brustwirbelsäule sowie am Kopf hatte. Schon nach der ersten Behandlung stellte sich eine enorme Veränderung ein. Unser Yogamädchen war entspannter, schlief besser und bis auf ihre Bauchweh-Phasen weinte sie viel weniger.


Durch ihren schlechten Schlaf waren auch die ersten Tage enorm beanspruchend. Da sich bei mir auch die Hormonumstellung bemerkbar machte, war ich sehr dünnhäutig und nicht sehr nervenstark. Vor allem gegen Nachmittag brachte mich die kleinste Kleinigkeit aus dem Konzept und ließ die Tränen fließen. Ein kleiner Baby Blues machte sich bemerkbar. Am stärksten war die Phase zwischen Tag 5 und 14. Danach wurde es jeden Tag besser, auch weil ich lernte, was mir gegen das Tief am besten half.





Meine Tipps


1. Mittagsschlaf!

Sobald ich mich am Tag nicht mind. einmal mit der Maus hingelegt habe, war mein Nachmittagstief viel stärker und die Müdigkeit übermannte mich. Auch hatte ich so nachts viel weniger Geduld und Energie für die Märsche, die wir zurücklegten um das Yogamädchen in den Schlaf zu wiegen. Aber wenn ich tagsüber schlief, ging es um einiges besser.


2. Hör' auf dein Bauchgefühl

Wenn du glaubst mit deinem Baby stimmt was nicht - stimmt (in 95% der Fälle) auch etwas nicht. Uns versuchte auch jeder zu beruhigen und zu erklären, dass ihr Weinen und Schreien durch die Bauchweh kommt und dadurch, dass sie am Anfang so viel verarbeiten müssen. Allerdings wusste ich, dass da mehr war und sie Schmerzen haben musste. Es war am Ende bestimmt eine Mischung aus allem, aber kaum gingen wir zur Osteopathie ging es Tag für Tag bergauf.


3. Es ist ok, nicht ok zu sein

Diese Zeit ist einfach neu und intensiv. Auf und Abs prägen die Anfangszeit und damit sind wir nicht allein. Lachen und Weinen liegen in der ersten Zeit des Wochenbetts sehr nah beieinander und das ist ok so. Was hilft ist einfach Verständnis vom Umfeld und liebevolle Unterstützung vom Partner. Ihr müsst zusammenhalten - nur so wird es funktionieren.


4. Auf und Ab des Wochenflusses

Die Wunde, die die Plazenta im Unterleib hinterlässt muss heilen. Das dauert bei jeder Frau unterschiedlich lang und die damit einhergehende Blutung variiert. Jedoch variiert sie nicht nur von Frau zu Frau, sondern auch im Verlauf der Wochen. In den Lehrbüchern steht, dass sie mit der Zeit kontinuierlich schwächer wird. Muss aber nicht sein. Ich hatte auch zwischendurch immer mal wieder stärkere Blutungen, teils durch vermehrte Bewegung verursacht, teils aber auch einfach, weil es eben nicht nach Lehrbuch verläuft. Unbedingt die Hebamme informieren, falls die Blutung auf einmal wieder stärker ist, aber nicht verrückt machen. In den meisten Fällen ist alles in Ordnung.


5. Kein Besuch für mind. zwei Wochen!

Wir hatten von Beginn an kommuniziert, in den ersten zwei Wochen keinen Besuch empfangen zu wollen - auch nicht die engste Familie. Da wir momentan noch bei meinen Eltern im Haus wohnen, waren sie natürlich von Anfang an dabei. Aber auch Timos Eltern kamen erst in der 3. Woche zu Besuch. Durch ihre teils sehr schwierigen Phasen haben wir auch danach noch gewartet bis wir offiziell einluden. Als sie dann 1 Monat alt war, begannen wir mit kleineren Ausflügen zu unserem Grundstück. Und der erste richtige Besuch kam in der 5. Woche.

Vielleicht klingt das für viele ganz abwegig, für uns war es das Beste, was wir machen konnten! Gerade als Mama, weißt du nicht wie es dir nach der Geburt geht. Also lieber vorher kommunizieren, dass man warten möchte mit Besuch. Eher einladen kann man dann immer noch. Aber am meisten geht es um die Kleinen. Sie müssen erst einmal in unserer Welt ankommen und Mama und Papa kennen lernen. Da ist es oftmals sehr überfordernd, wenn auch noch Oma, Opa, Tante, Onkel, Freund und Freundin vorbeischauen und das am "besten" noch gemeinsam.


6. Jede Sekunde genießen

Ja, auch die "schlimmen". Sie ist nur einmal so winzig und klein gewesen. Ich habe versucht jede Minute zu genießen und aufzusaugen. Auch, wenn es sehr anstrengend wurde, versuchte ich im Moment zu bleiben und ganz für sie da zu sein. Ich denke, dies gelang mir auch die meiste Zeit :)


Falls ihr Interesse an einem Artikel mit Tipps für die Wochenbett-Besucher wollt, schreibt mir :)


Das waren die ersten drei Wochen meines Wochenbetts. Enorm anstrengend, aber so einzigartig und toll. Wie die letzten Wochen waren, kommt nächste Woche.

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