• Tatjana

Stoffwindeln & Teilzeit-Windelfrei - warum wir es doch wagen

Wie ihr dem Titel entnehmen könnt, geht es heute ganz ums Thema Stoffwindeln - oder auch liebevoll Stoffis genannt - sowie um Teilzeit-Windelfrei.


Ich möchte in diesem Artikel nicht die ökologischen Vor-/Nachteile von Stoffis erklären, da es da sehr unterschiedliche Meinungen zu gibt, sondern einfach erläutern, was unsere Beweggründe waren und wieso wir uns dafür entschieden haben zu wechseln.




Was bedeutet Teilzeit-Windelfrei?


Teilzeit-Windelfrei bedeutet, wie der Name schon erahnen lässt, dass das Baby einen Teil der Zeit ohne Windel verbringt. Dies wird mit Abhalten des Babies kombiniert. Ziel ist es nicht, dass dein Baby so früh wie möglich trocken wird - wobei tatsächlich viele windelfrei Babies etwas eher trocken sind als Windelkinder.


Es geht primär darum, die Zeichen, die dein Baby dir gibt, noch besser zu deuten und vor allem darauf zu reagieren. Durch Teilzeit-Windelfrei soll die Kommunikation und Bindung verbessert werden. Es gibt auch Studien, die die gesundheitlichen Vorteile untersucht haben und zu dem Ergebnis kommen, dass die Blase so besser entleert werden kann, es zu weniger Blasenentzündungen kommen kann sowie die sog. Dranginkontinenz bei Kleinkindern verhindert werden kann.


Außerdem ist es irgendwie paradox, dass wir Babies erst abgewöhnen, anzuzeigen, wann sie müssen, sie in Windeln machen lassen, um es ihnen Monate später wieder beizubringen, oder nicht?


Warum wir es machen?


Stoffwindeln haben mich schon vor der Geburt gereizt und wir waren am Überlegen von Beginn an so zu wickeln. Im Nachhinein bin ich froh, dass wir es erst einmal gelassen haben, denn ich wäre damit anfangs komplett überfordert gewesen und hätte nicht die Zeit bzw. Ruhe dafür gehabt. Und für das Yogamädchen wäre es auch eher eine zusätzliche Überforderung geworden.


Die Vorstellung mein Baby hat den ganzen Tag Plastik am Popo kleben, missfiel mir dennoch. Und natürlich der Kosten- sowie Umweltfaktor (wenn man davon ausgeht noch mind. ein weiteres Kind wickeln zu wollen) spielten eine Rolle.


Somit haben wir uns entschieden, es einfach mal zu probieren und eine kleine Mini-Ausstattung anzuschaffen. Windelfrei wollte ich auch schon länger ausprobieren, seitdem es etwas entspannter mit unserer Kleinen geworden ist. Da sie nun auch komplett selbstständig sitzt, war der Zeitpunkt gut um es einzuführen.



Unsere Töpfchen/Windelfrei Ecke

Wie wir es anwenden und in den Alltag integrieren?


Der Vorteil bei uns ist natürlich, dass ich komplett zu Hause bin und bisher nur ein Kind zu Wickeln habe. Wir erhoffen uns natürlich, dass das Yogamädchen bis zum zweiten Baby dann so gut wie trocken ist. Wir haben ein Töpfchen, auf das wir die Kleine zu "festen" Zeiten setzen. Es gibt bestimmte Zeitpunkte, zu denen fast jedes Baby Pipi muss. Und auch was das große Geschäft angeht, pendelt sich meist ein gewisser Zeitraum ein. Auf die Zeichen, die ein Baby gibt, wenn es mal muss, und auf die wir als Eltern achten können, komme ich gleich noch.


Wir halten die Kleine immer morgens nach dem Aufstehen ab und wenn sie tagsüber geschlafen hat, kurz nach dem Aufwachen, sowie nach dem Trinken an der Brust. Aber auch, wenn wir sie so zwischendurch Wickeln, bieten wir ihr einfach das Töpfchen an. Danach bleibt sie meist erstmal ohne Windel und darf nackig durchs Haus krabbeln


Keinen Druck machen!

Es geht hier nicht um SauberkeitsERZIEHUNG, sondern einfach um ein bessere Kommunizieren und Reagieren auf die Bedürfnisse. Deswegen ist es ganz wichtig, keinen Druck entstehen zu lassen. Das Ganze soll allen Beteiligten Spaß machen. Das Yogamädchen liebt ihre Töpfchen-Ecke, die wir mit ein paar Spielsachen hergerichtet haben. So ist es für sie immer wieder ein schönes Erlebnis und sie möchte meist einfach sitzen bleiben.


Zeichen, die dein Baby dir gibt


Ganz typisch ist beim großen Geschäft der konzentrierte Gesichtsausdruck und dass das Baby plötzlich innehält. Aber schon vorher zeigen es die Kinder an.


- Wenn sie z.B. unruhig sind und auf einmal ruhig werden oder andersherum.

- Sie sind auf dem Arm und wollen urplötzlich vom Schoß runter (Babies haben das starke Bedürfnis ihre Bezugsperson nicht einzunässen)

- Sie wollen saugen - sei es an der Brust oder Schnuller. Denn saugen hilft zu entspannen und es somit besser laufen zu lassen


Natürlich können diese Zeichen auch alles andere bedeuten, aber wie du mit der Zeit lernst, welches Geräusch für Hunger steht, so kannst du auch lernen, welches für ein anderes Bedürfnis steht. Hier ist einfach große Beobachtung und Aufmerksamkeit deinem Kleinen gegenüber gefragt.


Funktioniert das?


Wir sind total begeistert. Es ist bisher nur ein großes Geschäft in der Windel gelandet - an dem Tag musste sie untypischerweise zweimal groß und auch das Pipi landet überwiegend im Töpfchen. Das hat natürlich den Vorteil, dass wir wenig Stoffwindeln am Tag verbrauchen. Nachts wickeln wir momentan noch mit den Wegwerfwindeln, die wir übrig haben.

Die Kleine zeigt immer besser an, wann sie muss und das sogar, wenn sich nachts groß machen muss oder ein Pipi ganz arg drückt. Sie möchte aber auch weniger in die Windel machen und wird somit einfach unruhiger und wartet, ob wir sie abhalten. Sobald sie dann auf dem Töpfchen sitzt läuft es auch schon.


Wenn in ihrer Windelfrei-Zeit dann mal ein Pipi daneben geht, also auf den Fußboden, dann wird auf gar keinen Fall geschimpft oder das Ganze negativ kommentiert. Dazu zählt auch schon ein entsetzter/genervter Gesichtsausdruck. Wir reagieren genauso, wie wenn es ins Töpfchen geht mit einem "Oh, du machst gerade Pipi." Fertig.


Unsere Ausstattung


Wir nutzen sog. Überhosen als System für Zuhause. Für unterwegs nutzen wir Pocketwindeln, dabei ist der Vorteil, dass die super vorbereitet werden können und einfach angelegt werden wie Wegwerfwindeln. Diese Variante bietet sich auch ideal für die Kita oder Oma und Opa an. In die Tasche (deswegen Pocket) wird eine Einlage (Mullwindel, Booster etc.) gelegt und dann ist sie fertig. Der Nachteil hierbei ist, dass die gesamte Windel direkt in die Wäsche muss, wenn sie voll ist.



Pocketwindel mit Klettverschluss


Bei Überhosen ist das nicht so. Da wird die Einlage in die Laschen gelegt und kann, wenn sie voll ist, einfach rausgenommen und eine neue eingelegt werden, wenn die Überhose noch sauber ist.


Überhose mit Mullwindeleinlage

Wir haben bisher 3 Überhosen, 1 Pocketwindel, 20 Mullwindeln (doppelt gewebt - ganz wichtig!), 20 Booster (Verstärker, die zusätzlich eingelegt werden können, für längere Phasen, in denen wickeln nicht möglich ist). Hinzu kommen einige Waschlappen zum Abwischen, da wir auch keine Feuchttücher benutzen.



Unser Windeleimer mit waschbarem Einsatz (Tipp: Offen lassen, dann riecht es nicht!)

Wir werden aber noch auf 5 Überhosen und 4 Pocketwindeln aufstocken. So kann man die Waschladungen länger hinauszögern, gerade, wenn doch mal eine Überhose dreckig wird. Somit haben wir bisher immer nur einmal die Woche gewaschen und das mit der restlichen 60 Grad Wäsche zusammen. Also gibt es auch hier keine zusätzlichen Waschladungen und Umweltbelastungen. Das funktioniert aber nur so gut, wenn es mit Windelfrei kombiniert wird und die meisten Windeln am Tag trocken bleiben.


Unterwegs kommen volle Windeln in diesen Wetbag

Unser Fazit


Wir sind bisher sehr zufrieden mit den Stoffwindeln und werden es beim nächsten Kind wohl von Anfang an so machen. Die Haut ist nun gar nicht mehr rot und es riecht nicht mehr unangenehm nach (Plastik)Windel! Das fällt vor allem nachts auf, wenn sie die Wegwerfwindel anhat. Es riecht doch sehr nach Chemie und das obwohl wir schon die Ökovarianten benutzen...

Mit Windelfrei klappt es so gut, dass ich selbst überrascht bin. Ich habe das Gefühl, unsere Bindung ist nochmal stärker geworden und wir kommunizieren so viel besser miteinander. Es macht wirklich richtig Spaß! Und es ist so viel angenehmer, wenn man nicht den ganzen Windelbereich nach dem großen Geschäft erstmal säubern muss, sondern einfach den Popo abwischen kann, alles in die Toilette kippen, Töpfchen auswischen und fertig!


Glückliches Kind, glückliche Mama :)


Habt ihr Erfahrungen mit Stoffis und/oder Windelfrei? Oder seid ihr noch skeptisch und wisst nicht, wie ihr es in den Alltag integrieren könnt?


Quellen:

Blum, N. J.; Taubman, B.; Nemeth, N. (2003): Relationship between age at initiation of toilet training and duration of training: A prospective study. Pediatrics, 111: 810–814.


Barone, J. G.; Jasutkar, N.; Schneider, D. (2009): Later toilet training is associated with urge incontinence in children. Journal of Pediatric Urology, 5(6): 458–61.


Bakker, E.; Wyndaele J. J. (2000): Changes in the toilet training of children during the last 60 years: the cause of an increase in lower urinary tract dysfunction? British Journal of Urology, 86(3): 248–52.


https://www.windelwissen.de/gesundheitliche-vorteile-teilzeit-windelfrei/

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