• Tatjana

Pflanzliche Ernährung in der Schwangerschaft

Auf instagram habe ich euch gefragt, über welche Artikel ihr euch besonders freuen würdet. Und am meisten kam der Wunsch nach einem Artikel über pflanzliche (vegane) Ernährung in der Schwangerschaft.

Für mich stand schon vor der Beginn der Schwangerschaft fest, dass ich versuchen werde mich weiterhin komplett pflanzlich zu ernähren. Sollten allerdings Beschwerden auftreten oder Mangelerscheinungen in den Blutwerten, die mit der Ernährungsform in Verbindung zu bringen sind, steht das Wohl meines Kindes an oberster Stelle!

Was man jedoch wissen und beachten sollte und meine bisherigen Erfahrungen teile ich heute mit dir. Das Wichtigste jedoch vorneweg: Wer ausreichend ist, genug Kalorien zu sich nimmt und dabei auf eine gesunde Form der Lebensmittel achtet, entwickelt in den seltensten Fällen einen Mangel - egal ob Veganer oder nicht!



Meinungen der Ärzte, Hebammen & der ganzen Welt

Die Meinungen darüber könnten nicht unterschiedlicher sein. Das Internet darf man sowieso gar nicht fragen, aber auch viele Ärzte sind bei diesem Thema schlichtweg überfordert bzw. geben "falsche" Auskünfte. Von anderen Veganerinnen habe ich die verschiedensten Geschichten gehört, wie ihre Ärzte reagiert haben. In den meisten Fällen jedoch stießen sie auf komplettes Unwissen. Ärzte, die nur mit einem "aha" oder "mhm" reagierten entsprachen der Mehrheit. Da fühlt sich frau erst einmal im Stich gelassen - schließlich wollen wir alles richtig machen, denn es geht um unser kleines Baby.

Auch Angehörige, Bekannte und Freunde werden auf einmal zu Ernährungsexperten, verurteilen vielleicht sogar und unterstellen, du stellst deine Ansichten über das Wohl deines Kindes. Und sorry, aber das geht nun wirklich gar nicht. Mein Umfeld hat zu 95% positiv oder neutral (also gar nicht) kommentiert.

Der Frauenarzt, der meine Schwangerschaft festgestellt hat, war sehr positiv was meine Ernährungsform betrifft. Einzig und allein die Einnahme von Vitamin B12 und Vitamin D hatte er empfohlen. Da ich diese aber schon vor der Schwangerschaft supplementiert habe, ermutigte er mich genauso weiter zu essen. Eine riesen Erleichterung. Meinem behandelnden Frauenarzt habe ich dann nicht direkt auf die Nase gebunden wie ich mich ernähre und bisher ist er begeistert von der Entwicklung des Babies und dem Verlauf meiner Schwangerschaft.

Letztendlich ist es DEINE Entscheidung, denn es ist dein Körper und dein Kind. Suche dir Ärzte und Hebammen, die eine pflanzliche Ernährung unterstützen und sich mit Supplementen auskennen.



Supplemente

So kommen wir auch zum nächsten wichtigen Thema: Wie supplementiere ich in der Schwangerschaft richtig? Der Körper braucht grundsätzlich einfach viel mehr Nährstoffe. Ganz oben auf der Liste stehen Folsäure, Vitamin D und B12 sowie Omega-3 und je nach Frau auch Eisen. Außer bei Vitaminen A und K ist eine Überdosierung kaum möglich und alles "zuviel" wird vom Körper wieder ausgeschieden. Also lieber etwas mehr, als zu wenig - schließlich gibt es einen Mitesser. Dein Körper wird zuerst dein Kind versorgen, somit machen sich Mängel erst bei dir bemerkbar, ehe auch dein Ungeborenes betroffen ist.

Da ich schon seit Jahren Vitamin D und auch B12 zu mir nehme, habe ich hier lediglich die Dosis von Vitamin D erhöht - vor allem im Winter. Meiner Meinung nach zwei Supplemente, die JEDER (auch nicht-Veganer) einnehmen sollte, da es aus der Nahrung nicht mehr ausreichend gewonnen werden kann.

Vom Arzt gibt es Folsäure Präparate für die Schwangerschaft, die vor allem in den ersten drei Monaten das Fehlgeburtenriskio senken sollen und der Entwicklung des Fötus helfen. Mein FA meinte zwar, dass ich als Veganerin ausreichend Folsäure zu mir nehme, aber da auch hier die Devise gilt lieber mehr als zu wenig, habe ich natürlich genommen.

Omega-3 nehme ich seit einigen Wochen zusätzlich ein, da es die Entwicklung des Gehirns des Kindes unterstützt und in größeren Mengen benötigt wird. Hier gibt es auch gute Präparate ohne Fischöl.

Eisen ist oftmals bei vielen Frauen eine Baustelle. Und gerade in der Schwangerschaft treten vermehrt Mangelerscheinungen auf. Das Blut wird regelmäßig kontrolliert und sollte ein Mangel nachgewiesen werden, ist auch Eisen zu supplementieren. Allerdings nicht einfach so einnehmen, da ein zu viel an Eisen die Verdauung und andere Prozesse im Körper auch negativ beeinflussen kann.



Blutwerte

Die Blutwerte werden in der Schwangerschaft regelmäßig kontrolliert. Darunter auch die Eisenwerte und im Idealfall auch die Schilddrüsenwerte. In der Schwangerschaft kommt es nicht selten zu einer Unterfunktion der Schilddrüse oder auch zur sog. Schwangerschaftsdiabetes.

Ich bin natürlich immer sehr gespannt auf meine Blutwerte, die bisher alle prima waren. Kein einziger Nachweis von einem Eisenmangel oder einer Schilddrüsenunterfunktion. Sogar gegen Toxoplasmose bin ich immun - das heißt ich kann ohne Bedenken Salate essen. Sogar veganes Sushi ist überhaupt kein Thema - hier kam von vielen der Einwand, dass es auf dem gleichen Brett wie der Fisch zubereitet wird etc. Salmonellen sind laut meiner Frauenärzte für das Kind nicht gefährlich, sondern einfach nur unangenehm für die Mutter, weshalb immer empfohlen wird auf Fisch, Ei etc. zu verzichten.

Falls du bei dir Veränderungen bemerken solltest oder dich besonders schlapp fühlst, lass deine Blutwerte lieber einmal mehr überprüfen, als einmal zu wenig. Ein Mangel an Nährstoffen ist sowieso schon nicht gut, aber erst recht nicht in der Schwangerschaft.



Unterstützung

Nicht nur Ärzte, die dich unterstützen und beraten sind wichtig, sondern auch der Rückhalt von deinem Partner und deiner Familie. Zweifel sind in Ordnung und dürfen auch angebracht werden. Setzt euch zusammen und besprecht wie du dir die Schwangerschaft vorstellst, wie du dich ernähren willst usw. Sicherlich wird nicht jeder begeistert davon sein, das müssen sie aber auch nicht. Wichtig ist, dass sie es akzeptieren und nicht infrage stellen, dass du das Beste für dein Kind willst.

Mir war wichtig, dass Timo hinter mir steht und der Rest war mir egal. Wir haben uns beide mehr als intensiv mit Studien etc. auseinander gesetzt um von unserem Stand der Dinge aus, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Du musst aber damit rechnen, dass es Leute aus deinem Umfeld gibt, die lieber den Fokus, Stern oder wie sie alle heißen zitieren, wenn es um die Ernährung deines Kindes geht, als auf wirklich zuverlässige Quellen zurück zugreifen. Solange du dich informiert hast und aufgeklärt bist, kannst du ihnen die Bedenken ganz einfach nehmen.

Artikel, in denen Eltern angeklagt werden, weil sie Kinder vegan ernährt haben, ist nicht die Ernährungsform das Problem gewesen - sondern eine Mangelernährung, was bei genauem Lesen der Artikel auch deutlich wird! Aber das wäre weniger medienwirksam, da eine Mangelernährung in jeder Ernährungsform auftreten kann. Wenn mein Kind sich nur von Wurst ernährt, wird es mit Sicherheit auch nicht mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt. Ebenso bei Schwangeren.

Und eine kleine Notiz am Rande: Übergewicht wird im Säuglings- und Kindesalter immer häufiger - nur gibt es keine übergewichtigen, veganen Kinder.... ;)

Jede Mutter und auch jeder Vater tut das in seinem Ermessen Richtige für das Kind, egal ob Ernährung oder später andere Erziehungsfragen.

Nachdem die ersten Wochen Übelkeit überstanden sind, geht es mir blendend. Ich habe "Heißhunger" auf Salat und Obst, esse nicht für zwei und habe bisher gesunde 3 kg zugenommen (Stand 19. SSW). Und unser Geburtstermin wurde anfangs vorverlegt (demnach wäre ich in der 20. SSW), weil der kleine Wurm schon so groß ist und so gut wächst.


Am Montag steht der nächste Ultraschalltermin an und wir freuen uns schon, unser Würmchen wieder zappeln zu sehen.

Ich hoffe, der Artikel hat dir weitergeholfen, Ängste genommen und vielleicht mit dem ein oder anderen Vorurteil abgerechnet.

Habt eine gesunde Schwangerschaft und macht das, was für eure Gesundheit funktioniert!


Lasst euch nicht reinreden, aber redet genauso wenig anderen rein - leben und leben lassen. :)

xoxo

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