Minimalismus im Kleiderschrank - Qualität über Quantität

Alles Hab und Gut in drei Umzugskisten? Für manche umsetzbar, für mich jedoch fernab jeglicher Realität - erst recht als Mama von zwei Kindern. Täglich waschen möchte ich auch nicht, nur weil ich so wenig Kleidungsstücke besitze, dass nach drei Tagen und unzähligen Flecken der Schrank leer ist.


Doch wie kann Minimalismus dann für mich aussehen? Das habe ich über die letzten Jahre versucht herauszufinden und bin zu einigen, wichtigen Erkenntnissen auf diesem Weg gekommen, die ich mit dir teilen möchte.


#1 - Es ist ein Prozess


Nach den ersten Dokus, die ich zu Minimalismus und zur Fast Fashion Industrie gesehen habe, wollte ich am liebsten alles entsorgen und von Null starten. Es entwickelte sich ein so starker Drang, diese Menge an Dingen zu minimalisieren, dass ich wirklich schlaflose Nächte hatte. Gesund ist anders - und deswegen erkannte ich recht schnell, dass es nicht alles sofort sein muss. Und so minimalisierte ich in vielen Schritten.


Die wichtigste Frage, die mich beim Prozess des Ausmistens begleitet ist: "Liebe oder brauche ich es wirklich?" Wenn nicht, darf es gehen. All diese Dinge, die man nur für den Fall der Fälle jahrelang als Schrankhüter beherbergt, dürfen gehen. Meine simplen Tipps zum Ausmisten kannst du hier nachlesen.


#2 - Ausmisten ist kein Minimalismus


Ausmisten ist nur ein kleiner, oftmals der erste Schritt hin zum Minimalismus. Denn auch bei jedem neuen Teil, stell dir die Frage, ob du es wirklich liebst oder ob es etwas gibt, was es nicht wert ist Platz in deinem Schrank einzunehmen. Bewusstes Konsumieren zählt ebenso zum Minimalismus, wie das Ausmisten.


#3 - Finde deinen Stil


Wenn du ausgemistet hast, wirst du vielleicht schon beim Prozess des Ausmistens merken, dass sich ein bestimmtes Schema herauskristallisiert. Welche Stoffe magst du gerne? Welche Farben und Muster?

Ich persönlich liebe alle Naturmaterialien und kann absolut kein Plastik auf meiner Haut ertragen. Alles was kratzt, zwickt, zu weit oder zu eng ist oder mir einfach kein gutes Gefühl gibt darf gehen und kommt auch nicht mehr in meinen Schrank. Auch mag ich z.B. keinen silbernen Schmuck und auch keinen sehr großen, auffälligen. Das einzige Muster, was in meinem Schrank vorzufinden ist, sind Streifen bei zwei T-Shirts, einem Jumpsuit und einem Pulli, sowie Blumen auf zwei Sommerkleidern (die einzigen von vier Kleidern in meinem Schrank). Ich mag neutrale und natürliche Töne. Und auch wenn mich ein Teil anlacht, was aus diesem Schema herausfällt, wird es nicht gekauft, da ich weiß, dass es aus einem Impuls heraus wäre und irgendwann nicht mehr getragen wird.


Am Trend der sog. 'Capsule Wardrobe' orientiert, sollte in deinem Stil jedes Teil kombinierbar sein. Das lässt es nicht nur übersichtlicher erscheinen, sondern erleichtert dir ungemein die Wahl des passenden Outfits. Du kannst theoretisch blind in den Schrank greifen und das was dabei rasukommt, passt.


#4 - Impulskäufe vermeiden


Jeder kennt sie, die Impulskäufe. Wir haben irgendwo etwas gesehen, was total schön aussieht. Auf einmal kreieren wir einen tatsächlichen Bedarf dafür und Gründe weshalb wir dieses Kleidungsstück tatsächlich brauchen. Und schon ist es im Einkaufswagen und in unserem Kleiderschrank. Ein Teil mehr, welches dir die Entscheidung, was du morgens anziehst, schwieriger macht, was dich somit Zeit und Energie kostet. Und oft sind genau das die Käufe, die es nicht lange im Schrank überleben oder ungetragen in der hintersten Ecke verschwinden.


Wenn du merkst, dass ein Wunsch nach einem Kleidungsstück aufkommt, schreib es auf. Ich habe eine Liste in meinem Handy mit eben solchen Wünschen. Da sind Kleidungsstücke dabei, die ich seit Jahren gerne hätte oder die ich sehe und einfach schön finde. Zum Beispiel waren das Barfußschuhe. Diesen Wunsch habe ich mir nun nach Jahren erfüllt, da ich endlich einen gefunden habe, der mir zu 100% gefällt. So verfahre ich mit jedem Teil. Auch mit Dingen, die einfach regelmäßiger neu gekauft werden müssen, wie Unterwäsche oder Socken. Es landet wirklich nichts mehr in meinem Einkaufskorb, was nicht auf dieser Liste steht und/oder mind. eine Woche überdacht wurde.


Manche haben hier auch feste Regeln aufgestellt. Zum Beispiel, dass bei allen Teilen über 50 oder 100€ 30 Tage Bedenkzeit gegeben wird, ehe es gekauft wird.




#5 Qualität über Quantität


Nicht nur Impulskäufe haben sich erübrigt, sondern auch billige Kleidung. Entweder ich kaufe Second-Hand oder bei nachhaltigen Slow-Fashion Unternehmen, von denen es mittlerweile sehr viele gibt, die wunderschöne Kleidung herstellen.


Natürlich laufe ich nicht zuhause mit meinen zwei Kleinen in den hochwertigsten Teilen rum oder trage Seide und Kaschmir. Da dürfen es dann die ausgeleierten T-Shirts, die alten Yogaleggings und die fleckigen Sweatshirts sein. Sobald ich dann das Haus verlasse, freue ich mich auf meine hochwertigeren Kleidungsstücke. Und finanziell macht es einfach keinen Unterschied - denn ob ich ständig und viel günstiges kaufe oder ausgewählt und bedacht hochwertiges hält sich tatsächlich gleich.


#6 Alles beansprucht deine Energie


Für jeden sieht ein minimalistischer Kleiderschrank anders aus. Die einen lieben es alles auf einen Blick sehen zu können, die anderen brauchen etwas mehr stilistische Freiheiten. Doch egal wie es für dich aussieht, jedes Teil bedarf deiner Energie. Es nimmt Platz ein, es will getragen und gewaschen werden. Warum also Dinge im Schrank haben, die dir kein gutes Gefühl geben oder die du nicht trägst, wenn sich vielleicht jemand anderes darüber freuen und es wirklich lieben würde?


#7 Sei nachsichtig mit dir selbst


Verdammt, du hast doch ein Teil aus einem Impuls heraus gekauft. Oder du findest, du hast noch immer zu viel in deinem Schrank. Deine Ansprüche an deinen minimalistischen Kleiderschrank sind für dich nicht erfüllt?

Es ist ok. Es ist ein Prozess und ein Weg. Sei nicht zu streng mit dir selbst, du musst niemandem etwas beweisen, du stehst in keinem Wettkampf um den minimalistischsten Kleiderschrank. Es wird immer jemanden geben, der weniger oder mehr besitzt. Es gibt kein besser oder schlechter - dein einziger Maßstab bist du. Du musst dich wohlfühlen mit deinem Kleiderschrank und es muss für dich realistisch und alltagstauglich sein.


Ich werde immer mehr Yoga- und Sportkleidung besitzen, als jemand, der nur in seiner Freizeit sportlich tätig ist. Und so wird jemand, der in einer Kanzlei arbeitet, wesentlich mehr schickere Teile besitzen, als ich. Aber auch hier können wir uns immer wieder fragen, wie viel wir davon wirklich brauchen.

Die Antwort ist meistens: "Wir brauchen weniger, als wir besitzen." Und das Ziel des Minimalismus sollte es sein, diese beiden Gegenpole anzugleichen. Immer mehr zu dem zu kommen, was wirklich essenziell wichtig für uns ist.


Dass meine Kleidungsstücke nun in zwei Umzugskisten passen (ausgenommen der Wintermäntel und Schwangerschaftssachen) ist ein positiver Nebeneffekt dieses ganzen Prozesses, denn es fühlt sich unfassbar befreiend an je weniger wir besitzen.


Wie sind deine Erfahrungen bisher mit Minimalismus im Kleiderschrank?

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