• Tatjana Pfarr

Meine Geburtsvorbereitung: Methoden & Buchempfehlungen

Der Tag auf den ich die letzten 39 Wochen gewartet habe, rückt immer näher. Die Geburt unseres ersten Kindes und ich könnte mich nicht mehr darauf freuen.


Natürlich kann ich diesen Artikel nicht aus Erfahrung schreiben, da ich ihn gerne vor der Geburt veröffentlichen wollte. Denn ob meine Vorbereitungen nun etwas bringen oder nicht, liegt an so vielen Umständen, auf die ich keinen Einfluss nehmen kann. Für was sie mir auf jeden Fall helfen und geholfen haben ist ein starkes Mindset und eine freudige Erwartung der Geburt. Und das alleine ist es schon wert gewesen. Deswegen möchte ich den Artikel ohne Einfluss des letztendlichen Geburtsverlaufs schreiben.


Was mir schon immer widerstrebte, war die Vorstellung, dass die Geburt meines Kindes, eines der schlimmsten, traumatischsten und schmerzhaftesten Ereignisse meines Lebens werden sollte. Nennt mich naiv oder was auch immer, aber das kann ich so nicht hinnehmen. Also habe ich mich bewusst damit auseinander gesetzt.


Auf was ich mich wirklich vorbereite ist nicht zwingend, die Geburt zu haben, die ich haben möchte, sondern egal was kommt zu vertrauen und mein Kind sicher in diese Welt zu begleiten - egal wie das am Ende aussieht.



Foto: Michelle Garde


1. Aufklären

Sobald ich erfahren habe, dass ich schwanger bin, habe ich angefangen mich intensiv mit diesem Prozess auseinanderzusetzen. Vor allem auf körperlicher und hormoneller Ebene. Ich mag keine halben Sachen und ich will gerade auf anatomischer/physiologischer Ebene immer genau wissen, was im menschlichen Körper geschieht. Dass zum Beispiel Oxytocin, was u.a. die Wehen auslöst/aufrecht erhält, ausgeschüttet wird, wenn es dunkel ist bzw. gedimmte Lichtverhältnisse herrschen und wir uns in einer wohligen Atmosphäre befinden. Und Adrenalin, welches die Wehen hemmt und sogar zum Stillstand dieser führen kann, unter Stress, der auch durch sehr grelles Licht oder das bekannte Weißkittel-Syndrom ausgelöst werden kann. Das alles geht noch viel tiefer und ist hier nur sehr, sehr oberflächlich dargestellt. Unser Körper und die Natur sind einfach ein Wunder.

2. Atemübungen

Durch die Yogapraxis gehören Atemübungen und vor allem die tiefe Bauchatmung für mich seit Jahren zum Alltag. Doch im Rahmen der Schwangerschaft habe ich den Fokus noch mehr auf bewusstes Atmen gesetzt. Unser Atem steuert unglaubliche Prozesse im Körper und kann dafür sorgen, dass wir anspannen oder entspannen. Schmerz wegatmen funktioniert tatsächlich bis zu einem gewissen Grad - da wir unsere Aufmerksamkeit lenken, uns bewusst mit den Vorgängen im Körper auseinandersetzen und mit jeder Ausatmung loslassen können. Es muss nur wirklich trainiert werden.

3. Visualisieren

Durch meinen Master in Sportpsychologie, weiß ich wie wichtig diese Technik ist. Und das nicht nur für Leistungssportler. Wir programmieren dadurch unser Gehirn. Die Technik des Visualisierens ist keine einfache, deswegen muss auch sie früh geübt werden. In Bezug auf die Geburt können wir uns bis ins kleinste Detail vorstellen, wie die Geburt ablaufen soll/wird. Es ist wichtig hierbei ungestört zu sein und sich wirklich komplett in dieses "Kopfkino" hineinzuversetzen.

4. Meditieren

Meditation ist ein Wunderwerk. Jeder kann es erlernen und sollte es meiner Meinung nach auch. Meditation hat mein Leben verändert und das ist nicht einmal im Ansatz übertrieben. Und sie verändert es weiterhin jeden Tag, mit jeder weiteren Praxis. Vor allem in der Schwangerschaft. Meditation hilft mir zur Ruhe zu kommen, mich mit Ängsten und Gefühlen auseinanderzusetzen, die im Laufe einer Schwangerschaft so auf einen niederprasseln und sie hilft mir eine ganz besondere Bindung zu dem kleinen Wesen in mir aufzubauen, da ich ganz im Moment bin. Dazu muss ich aber auch sagen, dass es schwer fällt ruhig zu sitzen und mich zu konzentrieren, wenn der kleine Wurm meint mir immer und immer wieder kräftig die Rippen treten zu müssen... :D Aber ich weiß auch, dass mir genau das irgendwann fehlen wird.

Und ich schiebe es auch auf die Meditation, dass meine bessere Hälfte sich bisher nicht über große Stimmungsschwankungen beschweren kann und dies auch immer wieder betont. Ausnahme: Wenn hungrig! Allerdings war mein "hangry" Zustand vor der Schwangerschaft tatsächlich schlimmer.

5. Bewegung & Sport

Ich bin so froh und dankbar, dass ich nach den ersten, eher anstrengenden 15 Wochen wieder mein Training aufnehmen konnte. Tägliche Spaziergänge mit unserem Vierbeiner, mind. 10.000 Schritte täglich, Yoga, Schwimmen und Krafttraining haben mir geholfen eine super gesunde Schwangerschaft zu durchleben. Keine Rückenschmerzen, keine Wassereinlagerungen, keine Stimmungsschwankungen und das Gefühl auch in der 38. SSW noch nicht schwerfällig zu sein und ohne Atemprobleme Treppen steigen zu können. Ich weiß, das ist nicht selbstverständlich und umso mehr weiß ich das zu schätzen und genieße es in vollen Zügen!

6. Ernährung

Auch in der Schwangerschaft ernähre ich mich pflanzlich (vom Begriff "vegan" distanziere ich mich schon seit längerem - aber anderes Thema). Jedoch gab es hier und da "Ausnahmen". Da ich kein Gluten vertrage, was jedoch erst in der Schwangerschaft herausgefunden wurde, musste ich etwas umplanen. Vor allem unterwegs oder beim Essen auswärts, landet dann eben auch mal etwas vegetarisches auf dem Teller, wenn der Hunger groß ist bzw. ich einfach noch Kalorien brauche. Wo ich nicht schwanger hungrig geblieben wäre, habe ich nun einfach eine andere Verantwortung mir und meinem Kind gegenüber. Das sieht danach auch wieder anders aus. So bin ich, sagen wir mal, zu 90/95% pflanzlich durch die Schwangerschaft gekommen.

Kaffee

Kaffee ist auch in der Schwangerschaft erlaubt. Ca. 200mg Koffein sind auch für Kugelbäuche drin laut Ärzten. Das entspricht 2-3 Tassen Kaffee. Ein Espresso z.B. hat ca. 80mg Koffein. Meinen Kaffeekonsum habe ich ab der 30. SSW drastisch reduziert (max. einmal pro Woche beim Kaffee mit Freunden) und seit der 34. SSW bisher nur zwei getrunken. Hat den Grund, dass ich einen möglichst basischen Haushalt in meinem Körper erzeugen möchte. Kaffee, Milch, Zucker und Weißmehl sorgen dafür, dass der Körper eher sauer wird, und das verstärkt Krämpfe und Schmerzen.

Zucker

Auf Industriezucker verzichte ich seit der 36. SSW komplett (s. Louwen-Diät) mit Ausnahme von zwei Geburtstagen, die vor der Geburt noch anstehen. Grund dafür ist der gleiche wie bei Kaffee.

Fazit meiner Ernährung: Top Blutwerte, keinen Eisenmangel und auch der Eisenspeicher ist noch gefüllt und das tatsächlich ohne Fleisch etc. Aber auch hier habe ich mich genau mit den Lebensmitteln auseinander gesetzt und wie ich sie kombinieren kann, damit mein Körper es am besten verwerten kann. Dazu muss ich jedoch sagen, dass ich nie Probleme mit Eisenmangel hatte. Wenn Schwangere schon vorher Probleme damit hatten, ist es sehr wahrscheinlich, dass sie in der Schwangerschaft nicht um Eisenpräparate drum herum kommen.


Buchempfehlungen (unbezahlte Werbung, weil eigene Überzeugung):

Hypnobirthing - der natürliche Weg zu einer sicheren, sanften und leichten Geburt: Die Mongan Methode. - Marie F Mongan

artgerecht- das andere Babybuch: Natürliche Bedürfnisse stillen. Gesunde Entwicklung fördern. Naturnah erziehen. - Nicola Schmidt

Das Geheimnis einer schönen Geburt: Finde den richtigen Weg zu deiner Traumgeburt - Jana Friedrich


Ob und wie sich das alles am Ende "auszahlt" werde ich noch erfahren dürfen. Für mich hat es sich unabhängig der Geburt allerdings schon jetzt mehr als bezahlt gemacht. Ich bin angstfrei durch die Schwangerschaft, habe auf meinen Körper und mein Gefühl gehört und empfinde weder Angst noch Anspannung, wenn ich an die Geburt denke. Und letztendlich habe ich die geringste Arbeit - ich muss meinen Körper machen lassen. Die meiste Mühe hat meine kleines Würmchen. Und wenn so ein kleines Wesen so einen Marathon schafft, will ich mich gar nicht erst beschweren.


Wie habt ihr euch auf die Geburt vorbereitet? Oder wie steht ihr dazu - egal ob schon Mama, schwanger oder noch weit davon entfernt?

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