• Tatjana

Mein Geburtsbericht - positiv und selbstbestimmt

Nun ist es schon über einen Monat her, dass unser kleines Yogamädchen auf die Welt gekommen ist. Die Zeit vergeht so schnell - ihre ersten Kleidungsstücke konnten wir schon aussortieren. Auch für mich endet bald das Wochenbett und ich darf wieder auf meine Matte hüpfen und trainieren. Die ersten Sonnengrüße habe ich schon hinter mir - und wurde mit zwei Tagen Muskelkater beschert. Um es nochmal anzumerken: NUR von Sonnengrüßen :D


Viele haben gespannt darauf gewartet und nun teile ich meinen Geburtsbericht mit euch. So viel vorweg: Es kam alles anders als "geplant", aber es war trotzdem die perfekte Geburt für mich und meine Tochter. Ich würde keinen negativen Bericht mit euch teilen, da ich finde, es gibt genug davon und es verunsichert viele werdende Mamas unnötig bzw. schürt Ängste, die nicht sein müssen. Bei einer gesunden Frau und einem gesunden Kind, steht einer sanften, entspannten und komplikationsfreien Geburt nichts im Wege.


Auch wenn viele meine Geburt wahrscheinlich nicht als komplikationsfrei betrachten würden, war sie das für mich.



Foto: Anna Immel


Wie alles anfing

An einem Sonntag im August war ich ungewöhnlich müde, hatte keine Motivation und Lust auf irgendwas. Zu Timo sagte ich da schon, dass ich glaube, es würde am nächsten Tag losgehen. Und tatsächlich am nächsten Morgen spürte ich die ersten, ganz ganz leichten Wehen. Anfangs war ich mir nicht sicher, ob es sich nicht doch noch um Übungswehen handelt, aber als diese immer in 20 oder 15 Minuten Abstand kamen und dann auch der sog. Schleimpropf abging, war mir klar, dass es bald so weit sein würde. Vorfreude machte sich breit. So zog es sich den ganzen Tag hin bis abends 18 Uhr.


Es wird ernster

Ab 18 Uhr wurden die Wehen stärker und regelmäßiger. Sie kamen im 5-6 Minuten Takt. Ich übte schonmal das richtige Atmen um mich so für die stärkeren Geburtswehen vorzubereiten. Meine Hebamme setzten wir auch in Kenntnis. Tatsächlich war es sogar der offizielle Entbindungstermin unserer Kleinen. Gegen 23/24 Uhr wurden die Wehen dann noch stärker und kamen in kürzeren Abständen. Allerdings ohne wirkliche Pause mehr dazwischen was dazu führte, dass sich etwas Übelkeit bei mir breitmachte. Gegen 1 Uhr entschieden wir uns dann ins Geburthaus zu fahren.


Im Geburtshaus angekommen

Dort angekommen schaute meine Hebamme nach meinem Muttermund. Und somit kam auch die Enttäuschung. Ich war bei 2-3 cm - was ich fast schon zwei Wochen vor Geburt war. Ein Gefühl der Frust breitete sich in mir aus, da ich einfach eine andere Vorstellung hatte. Dank meiner intensiven mentalen Vorbereitung versuchte ich mich dann davon zu lösen und stieg in die Wanne. Dort wurden die Wehen auch direkt stärker und regelmäßiger. Innerhalb von 5 Stunden war ich dann bei 7-8 cm und kurz darauf bei knapp 9 cm. Kurz vorm Endspurt also.





Dann kam alles etwas anders

Naja bei diesen knapp 9 cm blieb es dann auch irgendwie. Der Muttermund wollte sich einfach nicht öffnen. Dafür gab es auch einen Grund: Unser Yogamädchen lag als Sternengucker. D.h. mit dem Blick nach oben und dem Kopf im Nacken und nicht nach unten bzw. seitlich sowie dem Kinn auf der Brust. Somit drückte sie mit der breitesten Stelle ihres Kopfes immer wieder gegen den Muttermund. Nach insgesamt 19h im Geburtshaus entschieden wir uns dann dafür ins Krankenhaus zu fahren. Die Wehen wurden schwächer und ineffektiver. Der Kleinen ging es zwar die ganze Zeit über gut, aber ich wollte nicht riskieren sie doch noch unter Stress zu bringen. Und auch Timo stand voll hinter der Entscheidung.


Im Krankenhaus angekommen

Zwei ganz wunderbare Hebammen nahmen mich dann im Krankenhaus in Empfang. Leider war die Ärztin nicht ganz so wunderbar. Sie gab uns deutlich zu verstehen, dass sie nicht daran glaubt, dass wir es ohne Kaiserschnitt schaffen. Dafür wäre ich zu schlapp (was ich überhaupt nicht war - eher das Gegenteil) und das würde bei Erstgebärenden nie klappen. Ein Kaiserschnitt kam für Timo und mich aber nur im wirklichen Notfall infrage - und wir waren keiner. Der kleinen Maus ging es immer noch super und sie hatte entspannte Herztöne. Auch ich war tiefenentspannt und hochmotiviert mein Kind auf natürlichem Wege zu bekommen. So entschieden wir uns dann für die andere Möglichkeit: Eine PDA. Die Ärztin gab uns eine Stunde (!) Zeit die Kleine zu drehen mithilfe von Übungen. Meine Hebammen handelten etwas mehr Zeit raus - danke! Kaum wirkte die PDA schliefen meine Kleine und ich nochmal kurz und tankten Energie für den Endspurt. Ich war noch immer bei 9cm, aber mehr als optimistisch. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal in meinem Leben so motiviert und energiegeladen war :D





Dann ging alles ganz schnell

Nach unserem Nickerchen, bewegte ich mich ein bisschen. Die Übung der Wahl: Vierfüßlerstand. Ich glaube es dauerte keine Minute in dieser Position, als auf einmal die Fruchtblase platzte. Mit Abstand das lustigste Gefühl überhaupt. Danach untersuchten die Hebammen mich. Das Ergebnis: Muttermund vollständig geöffnet, Kind in der richtigen Position. Und dann konnte es endlich losgehen - ich konnte aktiv mithelfen unser Yogamädchen auf diese Welt zu bringen. Keine Stunde nach Blasensprung war sie dann da - mit lautem Geschrei und großem Hunger!

Ich schaute Timo an und meine erste Frage war: "Wann bekommen wir das Nächste?"


Wieso, weshalb, warum?

Die große Frage: Warum drehte sie sich kurz vor Geburt noch falsch und schaffte es dann nicht sich richtig zu drehen? Wir wissen es nicht. Eventuell lag es an der mehrfach um den Hals gewickelten Nabelschnur, sodass sie das Kinn nicht auf die Brust nehmen konnte/wollte. Aber vielleicht auch nicht. Es war, wie es eben war. Und hier hat mir meine Geburtsvorbereitung enorm viel gebracht! Zwar hatte ich nicht die Geburt, die ich visualisiert und gewünscht hatte, aber ich schaffte es mich davon zu lösen und an die Gegebenheiten anzupassen, sie zu akzeptieren und das Beste daraus zu machen. Nach einem kleinen Tief im Geburtshaus (was wichtig war), hatte ich nur noch gute Laune, war optimistisch und ganz im Moment. Im Krankenhaus hatten wir dann wirklich eine lustige Zeit mit den Hebammen, haben viel gelacht (zwischen den Wehen :D) und waren alle glücklich, dass es am Ende so lief wie ich es mir für das Geburtshaus gewünscht hatte - nur eben mit PDA.

Und auch die Ärztin entschuldigte sich am nächsten Morgen für ihre Aussagen - ich hoffe, sie wird der nächsten Erstgebärenden in meiner Situation mehr Hoffnung machen. Denn wäre ich nicht so positiv und angstfrei eingestellt gewesen, hätte sie mich wahrscheinlich direkt zum Kaiserschnitt gekriegt.


Mein Fazit

Vertrau deinem Gefühl, deiner Intuition! Vor allem in der Schwangerschaft und während der Geburt haben wir Frauen eine ganz besonders intensiver Verbindung zu unserer Intuition und unserem Körper - vorausgesetzt wir lassen dies zu und lassen uns nicht von außen beirren. Ich bin dankbar, dass ich so gut auf mein Gefühl hören und vertrauen kann. Denn ich wusste die ganze Zeit über, dass es meiner Kleinen gut geht und ich mir keine Sorgen machen muss. Auch vertraute ich in sie, dass sie es auf natürlichem Wege schafft.



Danke vor allem an meinen wunderbaren Verlobten und den besten Vater, den man sich für seine Tochter wünschen kann! Du warst die größte Stütze überhaupt und einfach da. Aber auch an meine Hebammen im Geburtshaus, die die Situation richtig eingeschätzt haben, mir alle Freiräume ließen und somit eine selbstbestimmte Geburt ermöglichten. Und natürlich, die zwei Hebammen im Krankenhaus, die meine Tochter auf die Welt begleitet haben und an uns geglaubt haben.


Ich hatte, die für uns perfekte Geburt und würde es jederzeit genauso wieder machen!



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