• Tatjana

Lotussitz - die Queen der Asanas?

Der Lotussitz wird oft als die Königin unter den Asanas gehandelt. Wenn man sie beherrscht, ist man ein richtiger Yogi... So oder so ähnlich denken viele und auch ich war vor Jahren noch dieser Ansicht und ganz neidisch auf meinen Bruder, der ohne Anstrengung und Training einfach so im Lotussitz sitzen konnte.

Doch, dass der Lotussitz eine der Asanas ist, die wir am wenigsten anstreben sollten, wird den Praktizierenden kaum bis gar nicht vermittelt. Und vor allem soziale Medien wie instagram sorgen dafür, dass Yoga Übende das Gefühl bekommen, diese Asana beherrschen zu müssen - sei es zum meditieren oder Posen.



Eine Frage der Anatomie

Ob jemand den Lotussitz schmerzfrei und ohne Folgen für die Knie und Sprunggelenke praktizieren kann, wird primär durch die Anatomie der Hüfte bestimmt. Erst an zweiter Stelle kommt die Beweglichkeit der Muskeln, Sehnen und Bänder ins Spiel. Wie unsere Hüfte aufgebaut ist und wie unterschiedlich Hüftgelenke aussehen können, kannst du in meinem Blogeintrag zur Hüftanatomie nachlesen.

Wenn du keine Hüftaußenrotation von mindestens (!) 85 Grad hast, ist es für deine Knie gesünder die Finger vom Lotussitz zu lassen. Denn wenn die Rotation nicht aus der Hüfte kommt, kommt sie aus dem Kniegelenk und weiterführend aus dem Sprunggelenk und da beides keine Kugelgelenke sind, die für Rotationen gemacht wurden, kann das nicht ohne Folgen bleiben und auf Dauer deinen Bändern und den gesamten Strukturen im Knie schaden.



Was kann der Lotussitz?

Die Frage, die sich neben der Anatomie stellt, ist: Was kann der Lotussitz überhaupt? Was erhoffen wir uns davon, wenn wir ihn beherrschen? Meinen wir, besser zu meditieren, wenn wir im Lotussitz sitzen? Oder sind wir gar bessere Yogis? Definitiv nicht!

Da wir uns im Yoga sowieso von gut und schlecht lösen sollten - es gibt keine guten oder schlechten Yogis - brauchen wir auch keinen Lotussitz oder Kopfstand. Denn einen besonderen Nutzen erfüllen beide Positionen nicht, den nicht auch andere Asanas erfüllen könnten, die weniger gefährlich und schädlich sind.

Beim nächsten Mal bevor du also versuchst deine Füße irgendwie in die Leiste zu bekommen, die Knie zu verdrehen oder die Sprunggelenke abknickst, frage dich, ob du diese Asana wirklich brauchst oder ob das eher ein kleines Ego-Ding ist.

Und ja, ich kann den Lotussitz und habe ihn auch das ein oder andere Mal schon auf Fotos dargestellt - allerdings weiß ich, dass meine Hüfte eine sehr gute Außenrotation hat (li. 90/re. 95 Grad) und meine Knie keine Vorverletzungen aufweisen. Allerdings meditiere auch ich nicht im Lotussitz. Warum? Weil es mir einfach nichts bringt.

Namasté und auf ein gesundes Praktizieren!

Gibt es vielleicht Asanas, die dir irgendwie "ungesund" vorkommen? Von denen du aber glaubst, sie beherrschen zu müssen? Her damit!

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