• Tatjana

Horrordiagnose Bandscheibenvorfall?

Nein, ich habe meinen Bandscheibenvorfall! Oder vielleicht doch?

Tatsächlich haben viele Menschen einen Bandscheibenvorfall oder eine -vorwölbung ohne etwas davon zu wissen, da sie keine Beschwerden haben. Und trotzdem führt die Diagnose Bandscheibenvorfall dazu, dass sich bei uns die Nackenhaare aufstellen und die Panik aufsteigt.



Warum diese Horrorvorstellung in vielen Fällen unbegründet, oftmals keine OP notwendig ist sowie die Schmerzursache vielleicht gar nichts mit der Bandscheibe zu tun hat, erläutere ich in diesem Artikel.


Disclaimer: Bitte gehe bei Schmerzen trotzdem zu deinem Arzt! Wir als Sportwissenschaftler und Yogalehrer dürfen und sollten keine Diagnosen stellen! Dies ist ein rein informativer Artikel, der sich aus meinem Wissen und Praxiserfahrungen zusammensetzt.


Ohje, die Bandscheibe


Du bückst dich und auf einmal kannst du nicht mehr aufstehen, es zieht ins Bein runter, laufen fällt schwer, sitzen tut weh. „hoffentlich nicht die Bandscheibe?“ - ist oft der erste Gedanke.

Der Gang zum Arzt ist notwendig. Es wird ein MRT gemacht und schwups die Befürchtung ist wahr geworden. Leider wird in vielen Fällen noch zu einer OP geraten, auch dann, wenn kaum oder gar keine Taubheitsgefühle vorhanden sind. Eine Bandscheiben-Op ist jedoch nur in wirklich sehr extremen Fällen notwendig und hilfreich. Viele Patienten in der medizinischen Trainingstherapie klagen nach einer Bandscheiben OP noch immer über teils starke Beschwerden. Wohingegen nicht-operierte Patienten nach gutem Reha-Training fast keine Beschwerden mehr berichten (Infos aus eigener Praxiserfahrung & Umfeld).


Ein Muskel ist Schuld


Doch die Schmerzen kommen nicht immer von der vorgewölbten/vorgefallenen Bandscheibe. In vielen Fällen ist der m. piriformis mit Schuld an den Schmerzen und Nervenabklemmungen. Dieser verläuft nämlich genau so am Becken, dass er den Ischiasnerv abklemmen kann. Wenn dieser Muskel dann getriggert wird, löst es oft genau denselben Nervenschmerz aus, wie eine vorgefallene Bandscheibe. Es kann also Abhilfe verschaffen, den Piriformis zu dehnen, zu triggern und zu kräftigen. Denn ein verspannter Muskel ist oftmals auch ein zu schwacher Muskel und muss, entgegen der häufigen Annahme, gestärkt werden.



Weitere Ursache


Eine weitere Ursache kann im Fasziennetzwerk liegen. Unser unterer Rücken wird von der großen Lumbalfaszie überspannt (s. Bild unten). Sammeln sich dort durch Fehlbelastung, Stress etc. Triggerpunkte an, die sehr ungünstig sitzen, kann auch dies zu Schmerzen und sogar ähnlichen Symptomen, wie denen eines Vorfalls, führen. In schlimmen Fällen, also wenn diese Triggerpunkte chronisch sind und auf das myofasziale Schmerzsyndrom hinweisen, muss über Injektionen und sehr sehr schmerzhafte Faszienbehandlung gearbeitet werden. Dazu zählen definitiv NICHT Faszienrollen. Diese sind ganz schön zum Aufwärmen, zur Selbstmassage und geben einfach ein gutes Gefühl - die wirkliche Faszie behandeln sie allerdings nicht, denn so tief ins Gewebe gelangen wir mit den Rollen/Bällen und was es noch so gibt einfach nicht.





Das richtige Training...


... kann Wunder bewirken. Egal ob nun der Muskel Schuld ist, die Bandscheibe operiert wurde oder nicht, ist Training das A und O. Und hier heißt es keine Scheu vor Belastung zu haben - natürlich nicht in einer akuten Schmerzphase! Allerdings müssen die Muskeln gekräftigt und gedehnt, die Mobilität wieder aufgebaut und vor allem die Angst vor Belastung genommen werden. Gezielte Physiotherapie kann helfen ohne OP Schmerzen zu beseitigen und die Funktion wieder herzustellen. Oftmals schadet es dem Körper mehr, wenn das Gewebe aufgeschnitten und verändert wird. Eine Narbe beeinflusst immer auch das umliegende Gewebe und sorgt so für eine ganze Kettenreaktion im Körper.


Unser Körper besitzt gute Ressourcen um mit Schwachstellen im Körper richtig umzugehen. Wenn allerdings von außen eingegriffen wird, wird es ihm schwerer gemacht.


Fazit


Ein Bandscheibenvorfall ist nicht schön. Allerdings ist er in vielen Fällen überhaupt nicht der Schmerzauslöser und Bedarf keiner Behandlung. In solchen Fällen müssen die Muskeln und Faszien behandelt werden. Wenn es doch an der Bandscheibe liegt, kann gute und gezielte Physiotherapie gepaart mit Geduld, einiges bewirken. Eine OP ist jedoch manchmal unumgänglich, sollte aber als letztes in Angriff genommen werden und vielleicht auch erst nachdem die konservativen Methoden nicht gewirkt haben. Bis konservativ hier etwas passiert, kann es schonmal 12 Monate Training und Behandlung in Anspruch nehmen - das sollte einem der eigene Körper allerdings wert sein.


Ich möchte mich hier weder Pro noch Contra aussprechen, allerdings muss immer genau abgewägt werden. Dieser Artikel soll einfach dazu beitragen, dass diese weit verbreitete Angst vor Bandscheibenvorfällen, eingedämmt wird.


Es gibt viele Leistungs- und Hobbysportler, die mit einer "kaputten" Bandscheibe noch Höchstleistung erbringen - mit oder ohne OP.


Kennt ihr jemanden mit Bandscheibenvorfall oder habt ihr selbst eure Erfahrungen damit?


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