• Tatjana

High-Need Baby - Die 12 Kriterien nach Dr. Sears | Teil 1

Ich hatte hier bereits berichtet, dass unsere Yogamädchen ein sog. "Schreibaby" war. Nachdem ich diesen Begriff mehr als abwertend fand, habe ich mich noch etwas weiter in die Recherchen begeben und bin letztendlich auf den Begriff "High-Need Baby" (dt. Hohes Bedürfnis Baby) gestoßen.


Was ist ein High-Need Baby?


Im Zusammenhang damit stieß ich immer wieder auf den Namen eines gewissen Herrn: Dr. Sears.

Dieser besagte Doktor aus den USA hat den Begriff etabliert und Kriterien festgelegt, die ein High-Need Baby (HNB) als solches ausmachen. Denn: Nicht jedes Schreibaby ist zugleich ein HNB! Allerdings sind HNBs meist auch Schreibabies.


Es war beinahe schockierend wie treffend seine 12 Kriterien für unsere Yogamädchen sind. Und zugleich empfand ich es als sehr beruhigend zu wissen, dass es keine Krankheit & nichts falsches ist. Es gibt eben Babies mit einem solchen und Babies mit einem anderen Temperament. Mir hilft es mit unsere Maus noch besser umgehen zu können, sie richtig zu fördern und für sie da zu sein. Denn die Ansprüche sind einfach andere, als bei "normalen" Babies. Hierbei sollen die Begriffe normal/nicht normal in keinem Fall wertend sein, sondern lediglich zum besseren Verständnis und der Einordnung dienen.





Nun aber zu den 12 Kriterien, die der gute Dr. Sears beschreibt.


Die 12 Kriterien


1. Intensiv

HNB erleben alles doppelt so intensiv und stecken in alles was sie tun sehr viel Energie. Auch ins Schreien. Dr. Sears beschreibt, dass HNBs schon im Kreissaal zu erkennen sind: Sie fordern lautstark ein, was sie möchten und das ist Mama. Exakt so war es bei uns. Das Yogamädchen kam raus und sie wollte an die Brust. Erst als sie die bekommen hat, war sie zufrieden. Der erste Kommentar der Hebammen: "Na, die Kleine hat Temperament."

HNBs fangen nicht an leicht zu meckern, wenn sie etwas wollen - sie schreien und weinen direkt. Und das laut, seeeehr laut.

Auch im Kleinkindalter sind diese Kinder sehr temperamentvoll. Wenn sie etwas wollen, holen sie es sich. Gleichzeitig haben sie einen sehr hohen Drang zur Kreativität, den andere Kinder so nicht erreichen.


2. Hyperaktiv

Fälschlicherweise werden diese Kinder oft mit ADHS diagnostiziert. Sie haben aber lediglich einen höheren Muskeltonus und sind einfach immer und allzeit bereit, sich zu bewegen und aktiv zu sein. Ruhig irgendwo liegen, die Welt beobachten und entspannen ist einfach nicht drin.

Auch hier wurde es beim Yogamädchen recht schnell deutlich. Denn schon die Osteopathin stellte fest, dass sie nie einen komplett entspannten Muskeltonus haben wird, sondern immer eine gewisse, verstärkte Grundspannung.

Allerdings ist es natürlich für Kinder sich viel zu bewegen - manche fordern diesen Drang einfach mehr ein bzw. geben ihm auch nach. Deswegen erstmal kein Grund zur Sorge: HNBs haben selten auch alle ADHS.


3. Energiesaugend

Eltern von HNBs sind müder und ausgelaugter als andere. Denn HNBs fordern alles an Energie ein, was die Eltern zu bieten haben. Natürlich ist es nicht umsonst, wenn die Eltern ihnen diese Energie geben. Denn HNBs spüren sehr genau, was sie brauchen um sich richtig entwickeln und aufblühen zu können.


4. Häufiges Stillen

Bei uns im Westen heißt es, dass Babies ca. alle 2-3 Stunden an die Brust kommen sollen und man sich viel Zeit fürs Stillen nehmen soll. Ich dachte anfangs ich mache etwas falsch, stille sie nicht richtig oder kann ihre Zeichen nicht deuten. Denn unser Yogamädchen kam von Anfang an immer alle 1-2 Stunden an die Brust - tags wie auch nachts. Und sie war innerhalb von 5 Minuten fertig. Und das hat sich bis heute auch nicht wirklich geändert. Die Fälle, wo sie mal 3 Stunden oder länger "durchgehalten" hat, kann ich an einer Hand abzählen.

Doch auch das ist normal, vor allem bei HNBs. Denn sie nutzen das Stillen vor allem auch um sich zu beruhigen und alle Eindrücke zu verarbeiten. Mamas Brust ist ein sicherer Ort. Dr. Sears führt aber auch Studien an, in denen rausgefunden wurde, dass Babies in anderen Kulturen weniger schreien und dafür im Schnitt 20-mal an die Brust kommen. Das sollte, meiner Meinung nach, Anlass geben, gewisse "Vorgaben" und Herangehensweisen im Westen zu überdenken.


5. Fordernd

HNBs fragen nicht vorsichtig an, ob sie hochgenommen oder gestillt werden. Sie fordern es ein und das lautstark ohne vorherige Ankündigung. Da gibt es kein zartes Jammern oder Schmatzen. Es wird direkt aus dem Nichts heraus losgeweint. Sie mögen es einfach gar nicht zu warten.

Diese Kinder werden jedoch wenn sie größer sind, auch Wissen sehr stark einfordern. Viele Eltern von HNBs berichten, dass ihre Kinder die Lehrer auf die Palme bringen, weil sie enorm wissbegierig sind und alles aufsaugen.


6. Häufiges Aufwachen

HNBs brauchen von allem mehr. Außer vom Schlaf.- Eigentlich kann ich den Satz so für sich stehen lassen :D


Sie saugen tagsüber enorm viel auf und verarbeiten dies nachts. Was dazu führt, dass sie unruhiger schlafen und schwerer zur Ruhe finden. Selbst wenn sie vermeintlich tief schlafen, sind ihre Sinne enorm geschärft und das leiseste Geräusch oder Veränderung ihrer Position (s. Punkt 10) führen dazu, dass sie aufwachen.


7. Unbefriedigt

An manchen Tagen kannst du dich als Mutter auf den Kopf stellen und ein HNB ist trotzdem nicht zufrieden. Wie oft habe ich mir anfangs Vorwürfe gemacht und gedacht ich werde ihr nicht gerecht. Aber wenn du als Mama alles versucht hast und einfach da bist für dein Baby, liegt es ab diesem Punkt dann bei deinem Baby - denn mehr kannst du einfach nicht tun.


8. Unberechenbar

Das was gestern noch super funktioniert hat, funktioniert heute einfach gar nicht mehr. HNBs kennen auch kein Zwischending. Sie sind entweder richtig gut drauf oder eben nicht. Und das kann sich von einer Sekunde auf die andere ändern. Glaubt mir, wenn ich euch sage, dass die Stimmungsschwankungen in den Tagen vor den Tagen bei uns Frauen nichts dagegen sind ;)


9. Hochsensibel

Sie bekommen alles mit. Nicht nur Geräusche und Veränderungen, wenn sie schlafen, sondern auch die Stimmungen ihrer Eltern und alles was sie umgibt. Und da sie in dem Alter einfach noch keine Methoden haben, mit diesen ganzen Stimuli umgehen zu können, weinen sie, schlafen schlecht (ein) und sind einfach wie sie sind. Je älter sie werden, desto besser können sie lernen damit umzugehen und sind sehr einfühlsame kleine Wesen, denen viel am Wohlergehen aller um sie herum liegt. Bis dahin ist einfach unsere Aufgabe sie zu schützen.


10. Nicht ablegbar

Wie oft ich gefragt wurde, weshalb ich sie denn nicht "einfach" ablege, wenn sie schläft, kann ich schon gar nicht mehr aufzählen. Fakt ist: Es geht nicht.

Oder nur für maximal 20 Minuten (das war bisher das längste). Abends schaffen wir es mittlerweile für ca. 1,5 Stunden, aber auch nur nachdem sie zweimal gestillt wurde und so vollgefuttert und schläfrig vom Nuckeln ist, dass sie einfach todmüde einschläft.

Das hängt damit zusammen, dass HNBs körperliche Nähe brauchen und zwar ständig. Die Brust ist ihr Schnuller und das wippende Umhertragen ihre Babywippe. HNBs sind in den meisten Fällen absolute Tragebabies!


11. Kein "Self-Soother"

Das mit dem vorherigen Punkt einher. HNBs können sich nicht selbst beruhigen. Sie brauchen Hilfe und das in Form ihrer Eltern (meistens "leider" nur der Mama oder auch Brust genannt). Wenn Eltern es schaffen, das zu gewährleisten, lernen HNBs mit der Zeit unabhängiger zu werden sowie sich selbst zu beruhigen. Dann werden auch andere Dinge, wie Spielzeuge, Kuscheltiere und Kinderwagen interessanter. Bis es so weit ist, sind die Bezugspersonen definitiv die erste Wahl - und tatsächlich auch die günstigste :D


12. Trennungsängstlich

Auch hier müssen wir uns wieder etwas von der sehr westlichen Einstellung/Vorstellung des "unabhängigen und selbstständigen Kindes" distanzieren. Babies und vor allem HNBs haben noch das instinktive Bedürfnis nicht von der Mutter getrennt zu sein, denn das bedeutete in anderen Umständen Gefahr. HNBs haben vor allem die Fähigkeit dies zum Ausdruck zu bringen und einzufordern. Und auch Mütter, die ihre Kinder, die ersten Monate viel bei sich tragen erleben dieses Gefühl. Was in unsere Gesellschaft also als anhänglich und nicht selbstständig angesehen wird, ist eigentlich ganz natürlich und überlebensnotwendig.


Der Unterschied zwischen HNBs und andere Babies ist lediglich, das Erstere es einfach direkt einfordern und sich nur mit Personen "zufrieden" geben, denen sie voll vertrauen können. Mit der Zeit werden das aber immer mehr, sodass sie irgendwann auch bei anderen Personen bleiben.


Wenn nur ein paar dieser Kriterien auf dein Kind zutreffen, ist es noch kein HNB, dann hat es einfach nur diesen besonderen Charakterzug. HNBs sind durch all diese Kriterien gekennzeichnet und es soll einfach auch die Einteilung und das Verständnis leichter machen.


Im nächsten Teil...

Im zweiten Teil der HNB-Serie gehe ich darauf ein, wie wir mit diesen Charakteristika umgehen, was wir für Erfahrungen machen durften und meine Tipps an Mamas von HNBs.


Falls ihr bestimmte Fragen habt, schreibt es gerne in die Kommentare oder auch eine private Nachricht.


Bleibt gesund & wer einen Ausgleich braucht, gerade als HNB Mama, darf gerne auf meinem neuen YouTube Kanal vorbeischauen und ein bisschen Yoga mit mir machen.


Namasté :)


Quelle: https://www.askdrsears.com/topics/health-concerns/fussy-baby/high-need-baby/12-features-high-need-baby

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