• Tatjana

High-Need Baby - Alltag, Erfahrungen & Tipps | Teil 2

Letzte Woche habe ich euch von den 12 Kriterien, die ein High-Need Baby (HNB) ausmachen, berichtet. Falls du den Artikel verpasst hast, kannst du ihn hier nachlesen.


Ein Dankeschön auch an dieser Stelle für alle Nachrichten und Kommentare, die mich zu dem Thema erreicht haben und vor allem für die vielen Mamas, die ihre Erfahrungen & Emotionen mit mir geteilt haben. Zusammen sind wir eben einfach nicht allein :)


Nun möchte ich zusammenfassen, was mir/uns in den letzten 8 Monaten (ja, so alt ist sie schon :O) besonders geholfen hat, was so gar nicht funktioniert & vor allem wie wir mit den Erwartungen anderer umgehen. Der Artikel ist etwas länger, da es auch kein Thema ist, was sich eben mal so abhandeln lässt. Ich habe euch meine 12 Tipps zusammengefasst - wer es eilig hat, kann die Überschriften lesen und am Ende die Kernpunkte bzw. mein persönliches Fazit :)

Falls du also keine Lust hast, den kompletten Artikel zu lesen, scrolle einmal runter :)


Dann mal los!





Meine 12 Top-Tipps


1. Verständnisvoll reagieren

Die kleinen Würmer können nichts dafür und machen es erst Recht nicht (!) mit Absicht. Ich weiß, dass vor allem die ältere Generation das teils etwas anders sieht und der Meinung ist, dass schon Babies mutwillig schreien, sich nicht ablegen lassen etc. Das Gehirn von Babies ist nicht einmal so weit entwickelt um überhaupt so ein Denken zulassen zu können - das passiert erst viel später. Und auch dann, warum sollte dein Kind dich absichtlich tyrannisieren? Wenn das der Fall ist, solltest du deinen Erziehungsstil hinterfragen... Hierzu kommt aber noch ein eigener Artikel :)

Auch im Kleinkindalter machen sie es nicht absichtlich, sondern sind überfordert mit der Menge an Emotionen, die auf sie einströmen. Und das ist bei HNBs eben einfach dreifach so intensiv.


In besonders schwierigen Momenten, atme ich tief durch, rufe mir genau das in Erinnerung und bleibe ruhig. Dem Yogamädchen ist nicht geholfen, wenn ich in einer Situation, in der sie sowieso überfordert mit allem ist, auch noch überfordert reagiere. Da kommen wir zu Punkt 2.


2. Tief durchatmen

Das erfordert viel Bewusstsein in der Situation. Vor allem, wenn das Yogamädchen einfach nur schreit und das sehr, sehr ausdauernd, geht das an die Nerven. Nichts passt, alles ist irgendwie doof und das oft den ganzen Tag lang. Wenn du als Mutter alles getan hast, dann liegt es ab diesem Punkt nicht mehr bei dir.


Ich versuche, kurz aus der Situation zu gehen, wenn auch nur gedanklich. Mir den 1. Punkt ins Bewusstsein zu rufen, tief ein- und auszuatmen und ihr dann ruhig und entspannt zu begegnen.


3. Reagiere und zwar SOFORT

Dieser Punkt wird jetzt vielleicht bei manchen auf Unverständnis stoßen. Er mag bei anderen Kindern auch nicht notwendig sein. Aber Eltern von HNBs müssen da einfach durch.


Wenn ein HNB etwas braucht, dann sofort. Da gibt es einfach kein "Kurz warten" oder eben mal "schreien lassen, das beruhigt sich schon wieder." Ein HNB beruhigt sich nicht. Nie. Sie schreien sich dermaßen in Rage, dass man als Mama Angst hat, das Kind kriegt keine Luft mehr. Um das bestmöglich verhindern zu können, hilft nur direkt zu reagieren. Denn wenn ein HNB erst einmal schreit, hört es so schnell auch nicht mehr auf. Auch nicht auf dem Arm.


4. Nicht hinterfragen

"Warum ist mein Baby/Kind so?", "Wann wir das endlich besser?" - Kennst du? Also ich auf jeden Fall. Macht es das Ganze leichter? Auf gar keinen Fall. Nur im Gegenteil. Ein HNB lässt sich nun mal nicht einfach ablegen. Und ein HNB schläft auch nicht einfach so von selbst ein. Es möchte getragen und geschaukelt werden und das am liebsten den ganzen Tag lang.


Es hilft nicht, dich ständig zu fragen warum das so ist. Das ändert nämlich rein gar nichts an der Situation, sondern macht es für dich mental nur um einiges schwerer. Ein HNB ist eben einfach so und es ist deswegen weder schlechter, noch besser, noch sonst irgendwas, als andere Babies. Es ist einfach dein Baby.


5. Vergleiche nicht

Ein Kardinalfehler. Nicht nur im alltäglichen Leben, sondern auch im Leben mit HNBs. Das Kind deiner Freundin schläft mit 8 Wochen durch? Es kommt nachts nur zweimal an die Brust & lässt sich easy-peasy ablegen? Schön für sie. Also wirklich - freu' dich für deine Freundin. Bei dir ist es eben anders. Aber du merkst selbst, wie du dich fühlst, wenn du beginnst dein Kind mit dem von besagter Freundin zu vergleichen, oder? Also mir geht's danach meistens sehr bescheiden.





6. Stille - wenn du kannst & möchtest

Stillen wirkt Wunder. Stillen ist an vielen Tagen das Einzige, was uns überhaupt geholfen hat. Und ich bin unfassbar dankbar dafür, dass das Yogamädchen und ich eine so problemlose Stillbeziehung haben. Denn auch mit 8 Monaten stille ich sie noch voll. Und ja, nachts oft bis zu 10/12-mal. Alle 2-3 Stunden, lautet die Vorgabe bzw. der Durchschnitt. Mit einem HNB bist du davon weit entfernt.


Es ist anstrengend, aber es hilft deinem HNB enorm mit allem klar zu kommen und du bist seine Ruheoase. An Mamas Brust ist die Welt am schönsten. Das Wichtigste ist, dass du als Mama Energie tankst - und los zu Punkt 7.


7. Suche einen Ausgleich

Der, meiner Meinung nach, wichtigste Punkt von allen!


Du musst deine Reserven, die mit einem HNB einfach komplett aufgebraucht werden, auffüllen! Wie auch immer das für dich aussehen mag. Mir hilft meine Yogapraxis, aber vor allem die Meditation am besten. Denn an manchen Tagen, wenn die Nächte wieder aus Dauerstillen bestanden, ist einfach keine Kraft für körperliche Aktivität da und der Körper bekommt auch weniger Möglichkeit zur Regeneration. Ein Spaziergang - alleine- oder eben Meditation kann Wunder wirken.


Und dann muss dein HNB einfach beim Papa oder einer anderen Bezugsperson bleiben.





8. Suche dir eine weitere Bezugsperson

Hilf deinem HNB, dass es zu einer weiteren Person außer dir selbst, eine gute und enge Bindung aufbauen kann. Vielleicht ist das der Papa, vielleicht die Oma oder die beste Freundin. Du brauchst Hilfe - vor allem mit einem HNB. Nur so ist dir gewährleistet, dass du zur Ruhe kommen kannst, Energie tanken kannst und dann wieder ausgeglichen, geduldig und ruhig für dein HNB da sein kannst.


Uns hat es hier geholfen, dass der Papa von Geburt an ganz viel Zeit mit dem Yogamädchen verbracht hat. Wann immer es ging, hat er sie ins Tragetuch genommen, sie auf seinem Bauch schlafen lassen oder einfach durch die Gegend getragen.


Mittlerweile sind beide ein eingeschworenes Team und ich kann auch mal für eine Stunde abschalten. Es sei denn ihr geht es gar nicht gut. Dann hilft einfach nur Mama bzw. die Brust. Aber das ist dann auch ok, weil ich weiß, dass es am nächsten Tag wahrscheinlich wieder meine Me-Time geben wird.



Foto: Anna Immel

9. Lass' dich nicht beirren

Lass' die anderen reden. Auch die gut gemeinten Ratschläge, wie, das Kind ausschreien zu lassen oder ähnliches müssen einfach an dir abprallen. Ein HNB schreit sich nicht aus. Du kennst dein Baby am besten! Höre auf deinen Instinkt, nimm' dein Baby auf den Arm, wenn es das ist, was gerade hilft.


Niemand nimmt dir die ganze Arbeit ab, die du tagtäglich leistest und niemand würde einfach so mit dir tauschen. Deswegen lass' sie reden.


10. Dein Baby ist etwas ganz Besonderes

Mein HNB ist einfach besonders. Ich liebe es, dass sie eben nicht ist wie andere Babies. Sie weiß genau was sie braucht, fordert das ein und kann sich selbst somit am besten helfen. Manch Erwachsener ist nicht in der Lage seine Bedürfnisse so klar auszudrücken wie ein HNB...


Hinzu kommt, dass sie sehr empathisch sind. Sie können sich gut in andere hineinversetzen und fühlen mit. Das konnten wir beim Yogamädchen schon mit paar Wochen erkennen. Sobald es mir nicht gut ging, ich mal geweint habe oder ähnliches, hat sie direkt mit angefangen. Natürlich ist das dann anstrengend, aber ich fand es sehr beeindruckend, dass sie schon so feinfühlig ihre Umgebung wahrnehmen kann.


Letztens hatten wir auch eine Situation: Mir ging es nicht gut, ich war angeschlagen und einfach absolut nicht fit. Nachts bin ich dann mit ihr aufgestanden um dem Papa auch etwas Ruhe zu gönnen. Sie war topfit und wollte spielen. Also hab ich mich neben sie auf ihren Spielteppich gelegt. Ich hatte die Augen zu und lag einfach neben ihr. Auf einmal kam sie angerobbt und legte mir ihre Hand auf den Arm - mit der anderen spielte sie weiter. Das war eine so kleine Geste, die in diesem Moment so viel ausdrückte.


11. Achte auf deine Worte

Dieser Punkt gilt für alle - nicht nur für HNBs. Auch die Kleinsten verstehen schon, was wir sagen. Vielleicht nicht die genaue Bedeutung, aber die Stimmung, die mitschwingt. Und eben vor allem HNBs durch ihre Feinfühligkeit.

Achte darauf nicht negativ über dein Baby oder sein Verhalten zu sprechen! Nicht wenn es dabei ist und am besten sowieso gar nicht. Denn selbst, wenn du es sagst, wenn dein Baby nicht da ist, sorgt es bei dir selbst für eine Anti-Haltung. Und wie leicht geht ein "Warum ist sie/er so anstrengend?" über die Lippen?


Es ist anstrengend. Aber es ist die Situation und die Erwartungen, die wir daran stellen. Es ist nicht dein Baby, was anstrengend ist!


12. Kommuniziere mit deinem Baby

Von Anfang an haben wir uns angewöhnt, sie zu fragen, bevor wir sie wickeln, ablegen etc. Und mit der Zeit hat sie angefangen zu reagieren und uns zu verstehen gegeben, ob sie das gerade möchte oder nicht. Wir möchten als Erwachsene auch gefragt werden, ob wir angefasst werden dürfen oder ähnliches.


Wenn wir sie ablegen wollen, fragen wir "Darf ich dich dahin (Laufstall, Bett etc.) legen?" Dann warten wir kurz. Wenn es für sie ok ist, dann lässt sie uns los, wendet sich dem Laufstall zu und wir legen sie ab. Wenn sie es jedoch nicht möchte, krallt sie sich an uns fest und dreht sich zu uns. Wenn wir sie dann trotzdem ablegen, dauert es nicht lange und sie schreit. Manchmal lässt es sich natürlich nicht verhindern, dass man sie mal ablegen muss. Aber auch dann erklären wir ihr, dass es jetzt aus dem und dem Grund sein muss. Wir müssen dann eben nur da durch, wenn sie anfängt zu meckern.


Auf diese Art und Weise bleibt uns sehr viel Geweine und Geschrei erspart. Und wir zeigen ihr, dass wir sie als vollständige Persönlichkeit respektieren.





Die Kernpunkte zusammengefasst


Das Wichtigste mit einem HNB ist ein unterstützendes Umfeld und deine Zeit für dich als Mama. Sei es in Form von Nähen, Meditation, Bewegung, lesen und was auch immer dir so einfällt.


Bewahre Ruhe und begegne deinem Kind mit liebevollem Verständnis - es kann nichts dafür, macht es nicht mit Absicht und braucht dich einfach! Und ganz vielleicht sind unsere HNBs auch einfach die besseren Überlebenskünstler... Stell' dir vor, wir würden noch draußen in der Wildnis leben. Ein Baby, welches sich direkt beschwert, nicht einfach abzulegen ist, getragen werden möchte und laut wird, wird nicht irgendwohin gelegt und fällt somit auch nicht anderen Tieren zum Opfer.


Ein Satz, der mir einfach hilft: Du bekommst immer nur so viel auferlegt, wie du auch in der Lage bist zu bewältigen.


Mein persönliches Fazit nach 8 Monaten


Unser Yogamädchen ist mittlerweile ein ausgeglichenes, aber forderndes Baby. Sie ist fast nur am Lachen, lässt sich gut beruhigen, wenn wir sofort reagieren, und liebt es mittlerweile auch bei anderen auf dem Arm zu sein. Man merkt ihr an, dass ihr anfangs fehlendes Urvertrauen, aufgebaut ist und sie weiß, dass sie sicher ist und Mama und Papa sie nicht alleine lassen.


Sie ist weit vom Durchschlafen entfernt. Was natürlich zum Teil auch an ihrer starken Neurodermitis und dem nächtlichen Juckreiz liegt. Auch sucht sie dauerhaft unsere Nähe, verteilt viele Streicheleinheiten und Liebkosungen und liebt es nach wie vor getragen zu werden (am besten den ganzen Tag). Tatsächlich können wir sie aber mittlerweile tagsüber auch mal zum Spielen ablegen und je nach Tagesform beschäftigt sie sich so auch sehr lange. Abends legen wir sie ab, wenn sie auf dem Arm eingeschlafen ist. Oft braucht sie dann kurz die Brust oder den kleinen Finger zum Nuckeln, aber dann können wir auch leise das Bett verlassen.


Aber wenn sie schreit, dann immer noch so, dass es das ganze Dorf hören kann ;)


Ein etwas langer Artikel, aber ich hoffe sehr, dass ich vielleicht einer Mama da draußen, damit helfen konnte. Das wären auf jeden Fall Dinge gewesen, die mir sehr gut getan hätten, sie zu hören. Vor allem in den ersten Wochen.


Wie geht es dir mit deinem HNB? Hast du für dich Tricks und Tipps entwickelt, die helfen?


Namasté, eure Tatjana


#yogablog #highneedbaby #mamablog #achtsamkeit #positiveparenting #yogalehrer #yogaanatomie

  • Schwarz Instagram Icon
  • Schwarz YouTube Icon
  • Black Facebook Icon
  • Black Pinterest Icon