• Tatjana

Essstörungen im Yoga - Orthorexia nervosa

Ein heikles Thema. Essstörungen sind weit verbreitet und erst Recht in Zeiten von instagram & Co. erhalten sie mehr und mehr Aufmerksamkeit und leider auch "Opfer".


Deswegen auch vorab eine Triggerwarnung/Disclaimer: Solltest du in Vergangenheit unter einer Essstörung gelitten haben oder aktuell betroffen sein, kann dieser Artikel auslösende Formulierungen beinhalten. Bitte suche den Rat eines Arztes/Psychologen auf. Ich beziehe mich in beiden Artikeln auf Essstörungen, die ich intensiv im Rahmen meines Sportpsychologie Studiums behandelt habe, dennoch bin ich kein Psychologe/Arzt/Therapeut.



Auch im Yoga sind Essstörungen nicht selten. Manchen hilft Yoga mit einer Essstörung besser umgehen zu können - bei manchem jedoch führt vor allem das in den sozialen Netzwerken dargestellte Bild genau zum Gegenteil. Wenn wir unseren instagram Feed runterscrollen, fällt auf, dass uns immer wieder ein bestimmtes Bild an Yogis vermittelt wird: (super) schlank & extrem sportlich. Keine Frage es ist schön anzusehen und mit Sicherheit auch Inspiration/Motivation. Wenn es dann jedoch um das Thema Ernährung geht, lassen sich teilweise sehr extreme Verhalten erkennen.






Orthorexia Nervosa


Eine recht neue Form der Essstörungen, die jedoch noch nicht offiziell als solche anerkannt ist, aber dennoch Behandlung bzw. besonderer Beobachtung bedarf. Betroffene schließen jegliche "ungesunde" Lebensmittel aus ihrer Ernährung aus. Mit der Zeit wird die Liste der "ungesunden" Lebensmittel immer länger und somit werden immer mehr Lebensmittel ausgeschlossen. Es entwickeln sich restriktive Essgewohnheiten, die u.a. dazu führen, dass Betroffene sich mehr und mehr aus dem gesellschaftlichen Leben zurückziehen, da sie ungerne in Restaurants essen gehen o.ä.. Es entsteht ein Gefühl von Erfolg und Stolz, wenn die auferlegten Gewohnheiten eingehalten werden. Orthorexie kann sich aus einer anderen Essstörung entwickeln oder die Vorstufe einer solchen sein. In jedem Fall benötigen Betroffene professionelle Hilfe.


Was hat das mit Yoga zu tun?

Gerade als Yogis versuchen wir gesund zu leben und uns gesund zu ernähren. Eine bewusste Yoga- und Meditationspraxis führt auf kurz oder lang dazu, dass sich diese Achtsamkeit auf alle Bereiche des Lebens ausweitet. Und einer dieser Bereiche ist die Ernährung. Nicht nur, dass Yogis versuchen sich besonders gesund zu ernähren und ihrem Körper nur das "Beste" zuführen wollen, sondern auch ethisch handeln wollen. So führen viele einen vegetarischen und/oder veganen Lebensstil. Das alleine macht natürlich keine Orthorexie aus. Werden jedoch immer mehr Lebensmittel ausgeschlossen, wie z.B Gluten oder zuckerhaltige Lebensmittel, wird die Liste der "essbaren" Dinge immer kürzer. Lebensmittel werden in "gut" und "schlecht" eingeteilt. Wenn dann noch weitere restriktive Verhaltensweisen hinzukommen, z.B. das Auslassen von Mahlzeiten oder das Ersetzen von Mahlzeiten durch Säfte, grenzen sich Betroffene weiter und weiter ein - die Kalorienzufuhr reduziert sich auf ein Minimum. Die Betroffenen sind dennoch der Überzeugung gesund zu leben und das richtige zu tun für ihre Gesundheit.





Was können Symptome sein?

Auf der Seite netzwerk-essstoerungen.ch werden folgende mögliche Verhaltensweisen als Hinweise auf einer Orthorexie genannt:

1. Denken Sie mehr als 3 Stunden am Tag über Ihre Ernährung nach?

2. Planen Sie Ihre Mahlzeiten mehrere Tage im Voraus?

3. Ist Ihnen der ernährungsphysiologische Wert Ihrer Mahlzeit wichtiger als ihr Genuss?

4. Haben Sie das Gefühl, je gesünder Sie sich ernähren, desto schlechter sei Ihre Lebensqualität?

5. Sind Sie in letzter Zeit mit sich strenger geworden?

6. Steigert sich Ihr Selbstwertgefühl durch gesunde Ernährung?

7. Verzichten Sie auf Lebensmittel, die Sie früher genossen haben, um nun “richtige” Lebensmittel zu essen?

8. Haben Sie durch Ihre Essgewohnheiten Probleme auszugehen und distanzieren Sie sich dadurch von Freunden und Familie?

9. Fühlen Sie sich schuldig, wenn Sie von Ihrer Diät abweichen?

10. Fühlen Sie sich glücklich und unter Kontrolle, wenn Sie sich gesund ernähren? 


Gesunde Ernährung ist ein Trend geworden, der zu befürworten ist, aber eben auch mit Vorsicht zu genießen ist. Alleine eine Einteilung von Lebensmitteln in "gut" und "schlecht" ist oftmals schon zu viel des Guten. Natürlich ist es sehr gesund auf Zucker zu verzichten und Fleisch/Milchprodukte nur in Maßen zu genießen, jedoch sollte kein schlechtes Gewissen einsetzen, wenn das Stück Kuchen auf dem Geburtstag von Freunden genossen wird oder die frisch gebackene Pizza im Restaurant serviert wird.


Ernähre dich gesund, aber genieße auch die kleinen, süßen Dinge im Leben - und das ohne schlechtes Gewissen. Dadurch bist du kein besserer oder schlechterer Yogi und rechtfertigen musst du dich sowieso gar nicht - vor niemandem.


Wie stehst du zu diesem Thema? Hast du vielleicht sogar selbst Erfahrung damit?


Namasté & Drücker, Tatjana


Quelle: https://www.netzwerk-essstoerungen.ch/essstoerungen/orthorexia-nervosa/

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