• Tatjana

Essstörungen im Yoga - Anorexia athletica

Letzte Woche ging es im Artikel um eine noch nicht offiziell anerkannte Form der Essstörungen, die oftmals eine Vorstufe anderer darstellt oder aber aus der Genesung einer solchen heraus entsteht. Die Orthorexie umfasst eine extrem restriktive Diät, bei der immer mehr "ungesunde" Lebensmittel ausgeschlossen werden.


Triggerwarnung/Disclaimer: Solltest du in Vergangenheit unter einer Essstörung gelitten haben oder aktuell betroffen sein, kann dieser Artikel auslösende Formulierungen beinhalten. Bitte suche den Rat eines Arztes/Psychologen auf. Ich beziehe mich in beiden Artikeln auf Essstörungen, die ich intensiv im Rahmen meines Sportpsychologie Studiums behandelt habe, dennoch bin ich kein Psychologe/Arzt/Therapeut.





Anorexia athletica im Leistungssport


Eine anerkannte Form der Essstörung stellt die Anorexie dar, auch bekannt als Magersucht. Die Anorexia athletica ist eine Art Unterform dieser, die vor allem Leistungssportler oder sehr ambitionierte Freizeitsportler betreffen kann. Besonders gefährdet sind Sportler aus ästhetischen Sportarten, Sportarten mit Gewichtsklasseneinteilung oder auch Ausdauersportler. In diesem Zusammenhang zählt Yoga zu den ästhetischen Sportarten - denn wie im vorangegangenem Artikel erwähnt, ist die Yogapraxis in sozialen Netzwerken, aber auch vor Ort in Studios, eine überaus ästhetische und vor allem bei Neulingen meistens körperlich geprägte.


Betroffene versuchen durch strikte Diät und/oder exzessives Training ihr Körpergewicht zu reduzieren. Dies erfolgt jedoch in keinem gesunden Maße bzw. kennt nach unten hin keine Grenze. Je weniger Gewicht auf die Waage gebracht wird, desto mehr wird dies als Erfolg angesehen. Der BMI sinkt unter die noch gesunden 19. In vielen Sportarten ist ein bestimmtes Gewicht Voraussetzung, was dazu führt, dass Sportler unter einen enormen Druck geraten ihr Gewicht zu halten oder zu reduzieren. Wer z.B. in ästhetischen Sportarten nicht von Natur aus zum sehr hageren Körpertypen mit gutem Stoffwechsel gehört, muss hart an sich arbeiten um den Anforderungen der Trainer und Sportarten zu entsprechen. Wer dies dann mit "Erfolg" schafft, wird oftmals von Trainern gelobt/gefördert und fühlt sich somit bestätigt. Der Hang zu Essstörungen geht in vielen Fällen einher mit gewissen Persönlichkeitsmerkmalen (u.a. starker Perfektionismus). Die Anorexia athletica ist oft eine Vorstufe der Anorexia nervosa.





Anorexia athletica im Yoga


Da Yoga offiziell keine Sportart darstellt, werden Essstörungen selten als solche erkannt. Wenn man sich nun aber Yogalehrer und/oder Praktizierende anschaut, fällt auf, dass diese doch sehr dünn und sportlich aussehen. Auch hört man oft das Vorurteil dünn sein zu müssen, um Yoga praktizieren zu können. Wenn junge Schüler dann in Klassen oder online sehen, was der Lehrer so alles kann, bekommen sie das Gefühl, dass dies nur möglich ist, wenn man dünn ist. Je dünner, desto beweglicher ist das scheinbare Motto. Und da auch im Yoga immer mehr die Leistung zählt (ein ganzes Thema für sich) ist ein Ziel von vielen die Gewichtsreduktion.


Gesundheitliche Folgen


Die gesundheitlichen Folgen der Essstörung sind nicht zu unterschätzen. Ein zu geringes Gewicht, oder auch ein zu geringer Körperfettanteil, geht bei Frauen oft mit dem Verlust oder dem Aussetzen der Regelblutung (Amenorrhoe) einher, sowie einem erhöhten Osteoporose Risiko. Auch wenn sich manche eventuell über das Ausbleiben ihrer Regel freuen, ist dies ein eindeutiges Zeichen, dass der Körper aus dem Lot ist und nicht richtig arbeiten kann. Da die Regelblutung nicht überlebenswichtig ist, wird diese vom Körper zuerst "ausgeschaltet" bevor lebenswichtige Organe betroffen sind. Also eindeutig ein Alarmsignal und bitte nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.


Wie auch die Orthorexie ist die Anorexie ernst zu nehmen. Je eher das Essverhalten überprüft und kritisch hinterfragt wird, desto besser und schneller kann Hilfe erfolgen.


Wir müssen nicht dünn sein um Yoga praktizieren zu können. Zum Glück gibt es mittlerweile auch andere Beispiele, die trotz Übergewicht Yoga praktizieren und durchaus extreme Leistungen erbringen können. Solange der Körper gesund ist, wir uns nichts verbieten, aber es eben auch nicht übertreiben, können wir getrost und sorgenfrei praktizieren und unser Essen genießen.


Stelle nicht dein Aussehen in den Vordergrund, sondern deine körperliche und geistige Gesundheit.


Ich würde mich über deine Gedanken zu diesem Thema freuen!


Namasté, Tatjana


Quellen: https://flexikon.doccheck.com/de/Anorexia_athletica

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