Downsizing: Vom Haus zur Wohnung als vierköpfige Familie


Wir leben in einer Gesellschaft in der größer und mehr als besser und erstrebenswerter erscheinen. Das größere Haus, das schnellere Auto, das neueste Smartphone, die nächste Beförderung. Hinter dem sogenannten Upsizing steht der Grundgedanke der Optimierung.


Doch Optimierung kann auch anders aussehen, denn es heißt nicht immer nur mehr bzw. nicht immer mehr Materielles. Optimierung kann auch bedeuten mehr Zeit, mehr Freiraum, mehr Flexibilität - für mich bedeutet es vor allem mehr Präsenz. Darum geht es beim Downsizing - mehr Zeit für andere Dinge zu schaffen.

Mein Leben in voller Achtsamkeit Minute für Minute zu erleben und zu gestaltet ist für mich das größte Lebensziel, an dem ich täglich arbeite. Wie mir das als Mama gelingt, wartet in einem separaten Beitrag auf euch. In diesem Artikel geht es vielmehr darum, weshalb wir ganz bewusst die Entscheidung für eine Wohnung getroffen haben, nachdem wir unseren Neustart gewagt haben.


Unsere Beweggründe


Die Entscheidung für die Veränderung liegt ein gutes 3/4 Jahr zurück. Ich erinnere mich noch sehr gut an den Moment als mein Mann in der Küche unseres Hauses stand, mich anschaute und meinte: "Könnten wir uns nicht auch ein Leben im Norden vorstellen? Nochmal ganz neu anfangen?" Klar! Zuhause bedeutet mittlerweile für mich da zu sein, wo meine Lieblingsmenschen sind und das kann demnach auch am anderen Ende der Welt sein. Zudem muss ich gestehen, dass ich Veränderungen sehr schätze und als großes Geschenk und Möglichkeit zum Wachstum sehe.


Als wir nun also in die detaillierte Planung gingen, kam natürlich die Frage auf, was geschieht mit dem Haus. Vermieten oder verkaufen? Neu bauen, kaufen oder mieten? Und wir mussten gar nicht lange überlegen. Für uns stand fest, wenn wir neu anfangen, dann ohne "Ballast" in Form von Vermietung des Hauses und noch laufenden Krediten. Die Entscheidung, was am neuen Wohnort passiert, fiel uns noch leichter. Wir wollten uns verkleinern. Weniger Raum für Zeug, weniger Aufwand zum Putzen und Instandhaltung. Wir wollten hier nicht ankommen und direkt so beschäftigt sein, dass wir die Stadt und Leute nicht kennen lernen können. Wir wollten Zeit für uns als Familie, zur Erkundung der wundervollen Landschaft und zum Kennenlernen von neuen Menschen haben.




160qm zu 96qm


Eine wunderschöne Wohnung fanden wir (zum Glück) auf Anhieb, denn für mich stand fest, dass nicht einfach nur eine Zwischenlösung sein sollte, bis wir irgendwann uns "Für-immer-Zuhause" gefunden haben. Die Wohnung sollte das Potenzial haben uns hier einige Jahre lang ein heimeliges Wohlfühlzuhause zu sein. Dass es nicht auf ewig so sein soll, ist für uns aber auch ebenso klar. Denn wer weiß, ob sich nicht doch noch ein Lieblingsmensch zu uns gesellt, aber spätestens wenn die Kleinen größer sind, brauchen sie ein Zimmer bzw. Papa sein Büro mit Tür für die Arbeit.


Alles schön und gut - nun ging es ans tatsächliche downsizen.


Da wir schon recht minimalistisch unterwegs waren, standen einige Schränke im Haus nur als Platzhalter dort und waren leer. Dennoch gab es einiges, was wir nicht mehr benötigten. Wir reduzierten alles, was wir nicht wirklich täglich benutzen oder uns einen anderen realen Mehrwert bietet.


Und jetzt?


Jetzt leben wir glücklich und entspannt in unserem 96qm Zuhause und fest steht soooo viel mehr muss es auch in Zukunft gar nicht sein. Mein Mann und ich teilen uns einen kleinen Kleiderschrank und eine Kommode, die Kinder haben jeweils ein "Würfelregal" (ihr wisst, welches schwedische Möbelstück ich meine) als Kleiderschrank und dazwischen ein besagtes längliches Regal mit ihrem Spielzeug. Im Wohnzimmer haben wir einen TV-Schrank und ein Side-Board, die zum Teil auch noch leer sind. Vor unser einziges Problemchen stellte uns die hiesige Küche... Für Menschen, die wie wir, sehr viel selbst zubereiten und demnach viele Küchengeräte besitzen, die täglich in Benutzung sind, war einfach nicht genügend Platz. So kam noch ein weiterer Küchenschrank hinzu, der nun auch irgendwie nur zur Hälfte gefüllt ist. Doch die wohl spannendste Frage: wie geht es uns nun damit?




Warum ich jederzeit wieder Downsizen würde


Es war die beste Entscheidung für uns als Familie. Die Wohnung ist klar, übersichtlich, mit wenigen Handgriffen aufgeräumt und ein richtiger Ruheort, der Raum für viel Zeit und Liebe lässt. Mal eben putzen? Auch mit Kindern kein Thema mehr. Kochen und die Kinder spielen im Zimmer (und nicht im belagerten Wohnzimmer, weil das Kinderzimmer im oberen Stockwerk liegt)? Gar kein Problem. Endlich wird das Kinderzimmer auch als solches genutzt.


Dinge suchen, gehört nun auch der Vergangenheit an - wobei nicht ganz, denn mit meiner Stilldemenz kriege ich es auch hin, meine Brille, die auf dem Kopf sitzt, zu suchen (exakt so vor einer Woche geschehen...).


Weniger Zeug besitzen, heißt weniger Zeit zum Pflegen dieses Zeugs. Was wiederum mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben bedeutet. Und was wirklich wichtig ist, bemerken wir erst so richtig, wenn wir minimalisieren. Loslassen und genießen.


Ich würde alles, was wir in den letzten Monaten entschieden haben, genau so wieder entscheiden. Und ich habe auch das Gefühl, dass wir uns noch von einigen Dingen mehr trennen können, denn es lagern noch eine Handvoll Kisten auf dem Dachboden, deren Inhalt ich schon nicht mehr benennen kann. Doch alles ist ein Prozess.


Mein Rat an alle, die das Gefühl haben, sie wissen nicht mehr wohin mit sich und ihrem Zeug, die mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge haben wollen, die Glück und Freude unabhängig von Besitz erleben möchten, lautet: Reduziert und verkleinert. Lasst los - vor allem, von dem Zeug, was ihr irgendwann mal gekauft habt, von Geld, was ihr mit eurer Zeit und Energie verdient habt, in dem Glauben, dass euch dieses Zeug glücklich macht.


Habt ihr schonmal downgesized? Vielleicht sogar von einer Wohnung in einen Van? Oder seid ihr eher Team Upsizing?

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