• Tatjana

Die Gefahr von allgemeinen Alignment Ansagen im Yoga

In Yogaklassen hören wir oft immer und immer wieder die gleichen Ansagen, was die Ausrichtung angeht. Je nach Stil und Ausbildung bzw. Wissenstands des Lehrers unterscheiden sich diese enorm, sodass Schüler oftmals überfordert sind und nicht wissen was denn nun "richtig" ist.

Intuitiv suchen sich die meisten Schüler die Lehrer, mit deren Ansagen sie sich auch am besten fühlen - manchmal kann das allerdings auch ein Trugschluss sein. Wieso und weshalb allgemeine Alignment Ansagen so tricky sind, möchte ich euch in diesem Artikel näher bringen.


Jeder Körper ist einzigartig

Vorneweg steht wie immer die Individualität des Einzelnen - und dies im rein anatomischen Sinne gemeint.

Selbst ein Laie ist in der Lage auf der Straße anatomische Unterschiede zwischen verschiedenen Menschen auszumachen - und sei es nur die Körpergröße, Beinlänge, Armlänge etc.

Wieso aber lesen wir dann in so vielen (vor allem traditionellen) "Lehrbüchern" genaue Alignment Hinweise? Es ist einfacher. Wenn wir auf jede Individualität einzeln eingehen würden, würde sich niemand mehr solche Bücher kaufen - geschweige denn würden Verlage solche monströsen Dinger drucken.

Meistens gehen diese Hinweise auf Kosten der Gelenke von sehr beweglichen Menschen und eher unbewegliche, kraftvollere Typen fühlen sich total hilflos, demotiviert und überfordert.



Ein Beispiel

Ich möchte dies am Beispiel der Ausrichtung des herabschauenden Hundes näher verdeutlichen. In den nächsten Wochen werden allerdings immer wieder Artikel zu gezielten Ansagen kommen - und wieso diese (teilweise) eher hinderlich oder auch einfach veraltet sind.

Typische Ansagen, die Schüler im Hund immer wieder hören sind: "Schultern weg von den Ohren", "Beine strecken", "Fersen in den Boden schieben", "Hände fest in den Boden drücken", "Blick zu den Füßen/Knien/Bauchnabel" etc. Und oftmals widersprechen sich Ansagen, wenn wir genau hinhören. Wir sollen die Sitzbeinhöcker nach hinten/oben schieben, die Schultern aber gleichzeitig weg von den Ohren. Wenn wir das genauso versuchen umzusetzen, fühlt sich das eher komisch an (meistens in den Schultern). Die Beine sollen gestreckt sein, aber gleichzeitig der Rücken super gerade und keine Rundung im unteren Rücken entstehen lassen.

Vor allem der letztere Punkt ist einfach für den ganz normalen Alltags-Yogi schlichtweg nicht möglich. Es erfordert eine enorme Beweglichkeit der gesamten hinteren Kette um die Beine zu strecken, gleichzeitig aber das Becken so zu kippen, dass der Rücken gerade ist. Und bei den Yogis, die diese Beweglichkeit haben und oft auch zur Überbeweglichkeit tendieren, geht das ganze dann meist auf Kosten anderer Gelenke, wie z.B. der Schultern.




Die Lösung des "Problems"?

Die recht einfache und sehr allgemeine Lösung für diese Probleme, ist es, die Ansagen "idiotensicher" (bezogen auf die Anatomie ;) ) zu gestalten. Wenn die Beine z.B. grundsätzlich gebeugt, die Fersen angehoben und der Nacken neutral in Verlängerung zur Wirbelsäule gehalten werden sollen. Durch diese Formulierungen vermeiden wir als Lehrer, dass die Überbeweglichen sich einfach nur in die Positionen reinhängen und sich die nicht so Beweglichen überanstrengen. Für den Schüler sind sie angenehmer - egal von welcher Sorte. Und wenn ein Schüler dann fortgeschritten in seiner Praxis ist, seinen Körper und den Körpertyp kennt, kann er seine Praxis selbst gestalten - dann ist es auch nicht verboten die Beine mal zu strecken oder den Blick anders zu wählen, denn schließlich ist der Körper auch für diese Bewegungsrichtungen gemacht.

Eure Erfahrungen?

Welche Ansagen kennt ihr aus Stunden? Welche machen für euch Sinn? Bei welchen Ansagen versteht ihr denn Sinn nicht ganz? Schreibt mir gerne privat, auf fb oder instagram :)


Namasté, Tatjana

  • Schwarz Instagram Icon
  • Schwarz YouTube Icon
  • Black Facebook Icon
  • Black Pinterest Icon