• Tatjana

Anatomie Serie: Hüfte

Das Hüftgelenk ist neben dem Schulter- und Kniegelenk eines der bedeutendsten Gelenke unseres Körpers. Hier trifft der Ober- auf den Unterkörper und ohne funktionierendes Hüftgelenk bekommen wir Beschwerden beim Gehen, Sitzen, Stehen und allen weiteren Bewegungen. Vor allem im Yoga widmen wir uns oft diesem Gelenk - wir wollen es öffnen und stärken. Dadurch erhoffen wir uns gelinderte Beschwerden und eine bessere Beweglichkeit.

Und obwohl die Hüfte eine große Rolle im Yoga und im Alltag spielt, kennen die wenigsten sie wirklich.


Die Anatomie



Ganz simpel runtergebrochen sieht so unsere Hüfte aus. Die Hüfte ist ein Kugelgelenk, doch im Vergleich zur Schulter ist die Gelenkspfanne wesentlich tiefer und somit sicherer vor Luxationen (Verrenkung). Auch ist der Oberschenkelknochen (Femur) um einiges massiver als der Oberarmknochen - dies ruht allein schon auf der höheren statischen Belastung. Die Bänder rund um die Hüfte helfen bei einem gestreckten Hüftgelenk einen aufrechten Stand zu gewährleisten.

Das Gelenk besteht aus der Pfanne (Acetabulum) und dem Femurkopf. Die Gelenkpfanne ist von innen zu ca. 3/4 mit Knorpel überzogen. Der Oberschenkelknochen (Os femoris) besitzt zwei "Hügel" die sogenannten Trochanter (major und minor). Der Trochanter major ist auf dem Bild oben jeweils an den Seiten zu sehen und der Trochanter minor sitzt innen/hinten und ist leicht auf dem untern Bild zu erkennen.



Muskelgruppen

Das Gelenk wird vor allem starken Bändern und natürlich der Gelenkkapsel, die fast den kompletten Oberschenkelhals bedeckt, gehalten. Wenn es um die Muskulatur im Hüftgelenk geht, finden sich unterschiedliche Einteilungen. Im Großen und Ganzen haben wir jedoch folgende Gruppen:

Musculus ilipsoas (Hüftbeuger)

Glutealmuskeln (Hüftstrecker)

pelvitrochantere Muskeln (Außenrotatoren - hierzu zählt u.a. auch der M. piriformis)

Adduktoren (Adduktion, Innenrotation/Beugung, Außenrotation/Streckung)

Hinzukommen noch Muskeln die das Knie- und Hüftgelenk verbinden, also somit zweigelenkige Muskeln sind. Dazu zählen die ischiokruralen Muskeln (Hamstrings) sowie die Musculi rectus femoris und sartorius.

Sobald wir also im Yoga eine dieser Gruppen oder auch mehrere stärken oder dehnen, sind es Hüftübungen und davon haben wir eine ganze Menge und eigentlich in jeder Stunde mit dabei, wenn der Krieger 1 oder 2 praktiziert wird.



Gelenkstellungen

Auf dem Bild oben ist zu erkennen wie unterschiedlich die Gelenkstellung ausfallen kann. In der Medizin wird immer von einer Normalstellung ausgegangen, alles davon abweichende ist eine Fehlstellung. Oben abgebildet ist ein Oberschenkelknochen bzw. Hals mit unterschiedlich großem Winkel. Wenn dieser nun in ein Hüftgelenk gesetzt wird, bekommen wir drei komplett unterschiedliche Hüften und meistens dadurch bedingt auch Kniegelenke. Bei einer Coxa valga kann auch ein Genu valgum (X-Bein) die Folge sein und ein O-Bein steht nicht selten im Zusammenhang mit einer Coxa vara. Da aber auch die Gelenkpfanne unterschiedlich geformt ist, ist die Variation nochmals größer. Wenn die Pfanne bei Person A z.B. seitlich sehr weit über den Oberschenkelkopf reicht und ihn einhüllt, fällt es der Person schwerer das Bein in eine abgespreizte Position zu bringen als Person B, deren Pfanne vielleicht kaum den Kopf umhüllt.


Aufgepasst, Yogalehrer und -schüler

Und hier wird es nun richtig wichtig für uns Yogalehrer, aber auch für uns als Schüler: JEDER ist so individuell, dass wir kein 08/15 Programm abspulen können oder von jedem das Gleiche erwarten können. Ebenso wenig von uns selbst. Es kann sogar wirklich gefährlich und schädlich werden, wenn wir anfangen gegen einen Gelenkwiderstand zu arbeiten nur um in diesen verflixten Spagat zu kommen. Warum? Vor allem warum, wenn dein Körper gar nichts davon hat?



So unterscheidet sich auf bei jeder Person die natürliche Außen- und Innenrotation im Hüftgelenk und diese wiederum bestimmt, ob und wie ich in der Lage bin in einen Lotussitz oder das Kuhgesicht zu kommen. Deswegen sollten solche Übungen auch nie ein Ziel sein, vor allem nicht, wenn du auch nach jahrelanger Praxis merkst, dass es nicht klappt. Dann liegt das sicher nicht an mangelnder Flexibilität deiner Muskeln, sondern vielmehr an deiner Gelenkstruktur. Und die lässt sich nun mal nicht ändern. Und wenn diese Übungen dann doch unbedingt beherrscht werden wollen, geht dies meist zu Lasten des Kniegelenks - denn immer wenn es in einem Gelenk nicht weitergeht, kompensiert das nächste.

Der Artikel stellt nur sehr vereinfacht dar, wie komplex unser Hüftgelenk aufgebaut ist und soll dazu dienen einen ersten Einblick zu verschaffen, weshalb nicht jeder alles kann und auch nicht alles für jeden gut ist. Und dass wir ganz dringend anfangen müssen, das auch wirklich zu akzeptieren und zu respektieren.

Habt ihr Fragen oder Anregungen? Her damit!

Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und eine sichere Yogapraxis

xx, Tatjana

Bildquellen:

eigene Fotos (Model: Mein Mini-Skelett Bruno und ich)

https://d3uigcfkiiww0g.cloudfront.net/wordpress/blog/pics-de/uploads/2016/08/640px-FemurAngles.jpg

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